Paris stand in den vergangenen 150 Jahren immer wieder im Zentrum revolutionärer Verkehrs- und Stadtplanungen. Napoleon III. ließ Mitte des 19. Jahrhunderts monumentale Sichtachsen durch alte Viertel schlagen und Prachtstraßen von insgesamt 150 Kilometer Länge bauen. Doch schon bald wurde das visionäre Konzept zum beengenden Korsett, der Architekt le Corbusier wollte daher große Teile der Innenstadt abreißen lassen. In seinem "Plan Voisin" von 1925 sollten Hochhäuser in Stahlbeton-Skelettbauweise die alten Quartiere ersetzen. Damit wurde er zum Vordenker des heutigen New York. Robert Moses griff die Ideen auf und ließ außer Hochhäusern auch Magistralen mit spektakulären Brücken bauen: In der Freizeit sollte sich der moderne Mensch beim Autofahren erholen. Freeways und Wolkenkratzer waren ein bewusster Gegenentwurf zu den engen, dunklen Großstädten des alten Europa.

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Die konsequente Umsetzung des amerikanischen Traums mit mehr als 100 Kilometer langen Stadtautobahnen wie in Los Angeles ist uns erspart geblieben. Jetzt setzt auch Paris auf eine Vision 2030, in der sich Fußgänger, Fahrradfahrer und Elektrofahrzeuge einen Großteil der innerstädtischen Verkehrsflächen teilen sollen. Einen internationalen Ideenwettbewerb für "Grand Paris - Métropole Post-Kyoto" hat Staatschef Sarkozy bereits initiiert. Die Zeit drängt: Im Großraum Paris leben mehr als elf Millionen Menschen, täglich werden 2,7 Millionen Fahrten mit dem Auto gezählt - viele davon kürzer als fünf Kilometer.

Entsprechend dick ist die Luft und entsprechend groß ist die Zustimmung für eine City-Maut. Sie könnte Einnahmen von jährlich 75 Millionen Euro bringen, ergab eine Studie des Arbeitgeberverbands Medef, weitere 420 Millionen Euro eine Sonderabgabe für Lastwagen in Höhe von 15 Cent pro Kilometer. Das öffentliche Nahverkehrssystem könnte durch höhere Parkgebühren ausgebaut werden. Einige hundert öffentliche Ladestationen für die ersten Elektroautos ließen sich damit auch noch finanzieren.

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(SZ vom 13.7.2009/gf)