Bio-Diesel, Pflanzenöl und ein paar Steuermilliarden: Der Kampf um die Zukunft des Autofahrens. Der eine tankt an der Frittenbude, der andere baut seinen Treibstoff auf dem Feld an - wie immer mehr Überzeugte den hohen Spritpreisen davonfahren
Herr Lohmann verdient Geld, das ist ein Problem. Er lebt lieber ohne zu viel Geld und ohne zu viel Stress, sagt er. Aber die Kundschaft lässt ihn nicht in Ruhe, sie bedrängt ihn.
Frittieröl aus Imbissbuden eignet sich als Treibstoff für Dieselfahrzeuge. (© Foto: dpa)
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Und so muss Herr Lohmann arbeiten, mehr als ihm lieb ist, ständig rufen Menschen an, die wissen wollen, wie das geht mit dem Raps und dem Auto und dem Geld sparen. Das klingt so einfach, sagen die Menschen am Telefon. Es ist so einfach, spricht Lohmann ins Telefon. Schon hat er wieder einen Kunden mehr. Es ist zum Verrücktwerden.
Also muss Georg Lohmann arbeiten, Rapsöltanks bauen, Welt verbessern, Geld verdienen. Er ist ein bisschen genervt deswegen. Sitzt in einer kleinen Garage mitten in München, auf Brauereigrund, versteckt hinter einer Sicherheitsfirma und einem Meditationszentrum. Es nützt nichts, sie finden ihn.
Georg Lohmanns Welt riecht ranzig
Je höher die Preise an den Tankstellen, umso mehr arbeiten sich vor zu ihm, dem kleinen Umrüster und Alternativspritler. Sie riecht ranzig, die Welt des Herrn Lohmann. Wenn er Recht hat, dann ist das der Duft der Zukunft.
Ja, die Zukunft, sagt Georg Lohmann, hinter ihm tropft Frittieröl durch ein Tuch in ein Fass. Tropft und tropft, langsam und sämig. Er hat es vom "Imbiss Gyros" um die Ecke, dort nimmt er es immer mit, wenn er mittags essen geht. Er holt sich den vollen Kanister und stellt einen leeren hin. Er fährt damit ein paar hundert Kilometer umsonst und freut sich, weil es noch ein bisschen billiger ist als das Rapsöl.
Und die Leute vom Gyros freuen sich, weil sie das Zeug nicht mehr entsorgen müssen. Lohmann schüttet das Öl durch ein Tuch. Plopp, plopp. Es ist Lohmanns Melodie. Pures Geld. Wenn er an einer Tankstelle vorbei fährt, freut er sich, wenn der Diesel wieder teurer geworden ist.
Rindertalg und Schweineschmalz
Bio-Diesel, Rapsöl, Bioethanol, Erd- oder Biogas, BTL-Kraftstoffe (synthetische Kraftstoffe aus Biomasse), Wasserstoff. So viele Ideen, so viele Ideologien. Manche noch weit weg von einer Realisierung. Georg Lohmann sagt, die Zukunft gehört dem Biotreibstoff. Er selbst hat schon vieles ausprobiert, auch Rindertalg und Schweineschmalz.
"Man muss es nur warm machen, dann kann man alles fahren. Das hat die Natur geschaffen, als Energieträger", sagt Lohmann und kommt dann vom Fett direkt zur Weltpolitik. Er kann nicht begreifen, dass sich die Deutschen so sträuben gegen das Offensichtliche. Erdölkrise, Benzinpreiserhöhung, die Endlichkeit der Quellen. Alles kein Problem, wenn der Treibstoff auf dem Feld vom Nachbarn nachwächst.
"Salatöl statt Diesel: ökonomisch, ökologisch, sozial", steht in einer Broschüre, die er verteilt an die, die sich dafür interessieren. 280.000 Kilometer ist er schon mit seinem kühlwassergeheizten Zweittank in der Reserveradmulde gefahren. Problemlos, sagt er.
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Kuriose Schilder (4)
Im Jahr 2000 habe ich dem Herrn Lohmann aus Muenchen einen Umruestbausatz abgekauft. Nach dem Einbau funktionierte er auch, aber das war schon alles. Nach kuerzester Zeit bemerkte ich, dass es sich um eine sehr primitive, ueberteuerte und ineffiziente Anlage handelte. Sogar die beheizte Kraftstoffleitung wurde vom Pflanzenoel angegriffen, da er anstatt einer Teflonleitung einen billigen Kunsstoff verwendet hat. Auf mein Bemuehen, diesen Schaden als Garantiefall abzuwickeln, weigerte er sich mit der Begruendung, dass ich das falsche Oel verwendet haette. Interessanterweise kaufte er aufbereitetes Alt-Pflanzenoel von seinem Lieferanten billigst ein und verkaufte es teuer an seine Kunden. Genau dieses Oel hatte ich verwendet, aber da ich durch einen Trick diesen Lieferanten herausgefunden hatte, kauft ich es deutlich billiger ein. Auf mein weiteres Draengen, den Garantieschaden zu ersetzen, machte er mir klar, dass ich ihm das schon gerichtlich beweisen muss, dass es seine Schuld sei!!!
Mit seinem Lieferanten hat er sich dann auch zerstritten (wie mit allen, die ich kenne, die ihn kennen), weil dieser den Preis fuer sein Altoel anheben wollte.
Ich kann nur jeden warnen, sich mit diesem unserioesen, geldgierigen und extrem kauzigen Lohmann einzulassen, denn es gibt wesentlich bessere Produkte, als seine Pflanzenoelanlage. Allein die mangelhafte technische Ausfuehrung seines Umruestsatzes zeugen von einem sehr duennen technischen Verstaendnis.
Meine Anlage habe ich damals selbst wesentlich verbessern und weiterentwickeln muessen, um zufriedenstellende Ergebnisse (besonders im Winter) erziehlen zu koennen. In einem Merceds 190D 2,5 tut diese auch heute noch zufriedenstellend ihren Dienst, was aber nicht der Verdienst des Herrn Lohmann ist.