Elektromobilität Die Installation einer Wandladestation kostet 500 bis 800 Euro

Nicht ohne Grund wird das Anzapfen des "Lichtnetzes" per Haushaltssteckdose bei einigen Autoherstellern als "Notladung" bezeichnet. Als Minimalausstattung empfehlen sie eine spezielle Wandladestation mit 16 Ampere und 3,7 Kilowatt Ladeleistung. Geht man von zehn Stunden Nachtruhe aus, kann der Wagen damit im Idealfall 37 Kilowattstunden tanken. Das reicht bei moderater Fahrweise für einen Radius von gut 200 Kilometern. Die Gesamtinvestitionen für dieses Normalladen liegen heute bei etwa 500 bis 800 Euro. Immer vorausgesetzt, der Elektriker muss nicht aufwendig neu verkabeln und zusätzliche Sicherungen einbauen.

Im nächsten Schritt wird es schon deutlich teurer. Viele private Wandladestationen für Elektrofahrzeuge werden - wie Elektroherde - an 400 Volt angeschlossen. Ohne kostentreibende separate Kabel samt Absicherung funktioniert das nicht. An der 400-Volt-Leitung kann ein Stromer mit elf kW maximaler Ladeleistung ordentlich Kraft tanken. Über Nacht werden auch die hungrigsten Energiefresser damit satt. Doch auch hier gilt: Auf den parallelen Dauereinsatz mehrerer Wandlader mit dieser Leistung ist kaum eine Wohnanlage, geschweige denn die Stromversorgung eines älteren Mehrfamilienhauses ausgelegt.

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Mit E-Autos machen die Energieversorger noch kein Geschäft

Also doch auf die Straße ausweichen? Dort warten nach Angaben des Verbands der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) rund 11 000 öffentlich zugängliche Ladepunkte inklusive der Parkhäuser und Supermarkt-Parkplätze auf Kunden. Statistisch gesehen kommen damit gerade einmal zehn Fahrzeuge auf einen Ladepunkt. "Die Energiewirtschaft ist beim Ausbau der Ladeinfrastruktur massiv in Vorleistung gegangen und treibt die klimaschonende Antriebstechnologie voran. Und das, obwohl sich der Betrieb der Ladesäulen aufgrund der geringen Fahrzeuganzahl bisher nicht lohnt", sagt BDEW-Chef Stefan Kapferer. Der Energieversorger EnBW zählt durchschnittlich nur 0,6 Ladevorgänge pro Tag an seinen Ladesäulen. Ein Geschäft ist das nicht.

Doch auch die Pioniere der Elektromobilität sind unzufrieden. Autozeitungen berichten von nervtötenden Langstreckenfahrten: Kaputte oder zugeparkte Ladesäulen oder Schnelllader auf abgesperrten Firmengeländen machen die Verkehrswende zum Hindernislauf. Es ist das typische Henne-Ei-Problem jeder neuen Versorgungsinfrastruktur: Wie viele Ladesäulen braucht man für aktuell 110 00 Elektrofahrzeuge in Deutschland? Knapp die Hälfte von ihnen hat zusätzlich einen Verbrennungsmotor an Bord (Plug-in-Hybrid), der die Reichweite erheblich erweitert. Alle anderen sind wie streunende Hunde fast ständig auf der Suche nach Futter: Ein bisschen Strom auf dem Parkplatz des Discounters naschen und dann noch einen E-Nachschlag an der Säule vor der Sparkasse?

Gerade in den Städten mit schlechter Luft ist ein schneller Aufbau der Ladeinfrastruktur besonders nötig. Billig wird der flächendeckende Ausbau jedoch nicht: Eine öffentliche Ladeeinrichtung mit Datenverbindung für die Abrechnung kostet laut dem Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) mindestens 2500 Euro. Die Experten rechnen bis 2020 mit einem Bedarf von 173 000 konventionellen Ladepunkten und 7100 Schnellladestationen im öffentlichen Raum. Das nächste Förderprogramm des Bundes mit 300 Millionen Euro dürfte also rasch aufgebraucht sein.

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