Dieselmotoren sind zuverlässig, aber auch träge. Zu Sprints wie bei einem Sportwagen verhilft auch ein Turbolader bisher nicht. Doch das könnte sich bald ändern.
Höhere Verdichtung ist das Geheimnis, BMW nennt es Stufen- und Opel Registeraufladung. Statt wie bisher von einem Abgasturbolader wird die Ansaugluft dabei von zwei miteinander kombinierten Ladern verdichtet.
BMW hat den Twin-Turbo bei der Rallye Dakar getestet. (© Foto: BMW)
Anzeige
Dadurch sollen sich nach Aussagen beider Hersteller eine höhere Leistung und ein spontaneres Ansprechverhalten bei niedrigen Drehzahlen ergeben.
Daran haperte es bislang beim Turbodiesel herkömmlicher Bauart, bei dem die Ansaugluft von einem Verdichterrad komprimiert in die Brennräume geleitet wird. Das Verdichterrad sitzt auf einer Welle mit einem Turbinenrad, das von den Motorabgasen angetrieben wird. Da das Turbinenrad zunächst auf Touren kommen muss, sprechen herkömmliche Abgasturbolader beim Gas geben mit leichter Verzögerung an.
Neben dieser Schwäche haben herkömmliche Turbolader nach Angaben von BMW-Sprecher Alfred Broede den weiteren Nachteil, dass sie eine Kompromisslösung darstellen: Sie müssen für niedrige wie für hohe Drehzahlen ausgelegt sein.
Allerdings wäre für niedrige Drehzahlen ein möglichst kleiner Lader ideal, bei hohen Drehzahlen ein möglichst großer.
Diesen Konflikt glaubt BMW mit seiner "Variable Twin Turbo"-Technologie gelöst zu haben, die im Herbst im neuen 535d der 5er-Baureihe auf den Markt kommt. Dabei sind ein großer und ein kleiner Lader hintereinander geschaltet und mit Steuerklappen flexibel kombiniert.
Bei niedrigen Drehzahlen wird laut Erwin Rechberger, Projektleiter für Sechszylinder-Dieselmotoren, die Ansaugluft im großen Lader vor- und im kleinen Lader hochverdichtet.
Der kleine Lader erledige dabei die Hauptarbeit. Mit steigender Drehzahl erfolge die Verdichtung zunehmend über den großen Lader.
Die Folge ist Rechberger zufolge ein spontaneres Ansprechverhalten. Das liegt laut Gerd Hitzler, Bereichsleiter für Abgasanalytik am Institut für Verbrennungsmotoren und Kraftfahrwesen der Universität Stuttgart, an der Kombination des kleinen mit dem großen Lader: "Ein kleiner Lader mit kleinen Luftschaufeln kommt schneller auf eine hohe Drehzahl."
Der große Lader könne wiederum bei höheren Motordrehzahlen einen größeren Luftdurchsatz gewährleisten.
Da beim Twin-Turbo beide Lader optimal für einen Drehzahlbereich ausgelegt sind, ergibt sich laut BMW-Sprecher Broede zudem ein besserer Wirkungsgrad.
So schöpft der Motor aus 3,0 Litern Hubraum 200 kW/272 PS. Das maximale Drehmoment beträgt 560 Newtonmeter (Nm), wovon 500 Nm bei 1500 Umdrehungen anliegen.
Den Sprint von Null auf Tempo 100 absolviert der 535d in 6,6 Sekunden.
Noch eindrucksvoller sind die Werte, die Opel mit seiner vom Prinzip her ähnlichen Registeraufladung im OPC Vectra GTS Twinturbo erzielt: Aus 1,9 Litern Hubraum schöpft das Aggregat der Studie 156 kW/212 PS.
Das entspricht nach Angaben des Herstellers in Rüsselsheim einer spezifischen Leistung von 82 kW/112 PS pro Liter Hubraum - neuer Weltrekord für Diesel-Pkw. Das maximale Drehmoment beträgt 400 Nm und liegt bei 1400 Umdrehungen an.
(sueddeutsche.de/dpa)
Kuriose Schilder (4)