Die Bahncard war bezahlt, aber noch nicht geliefert: welchen Ärger ein eigentlich gutwilliger Kunde damit hatte und wie er schließlich ganz verprellt wurde. Ein Erlebnisbericht.
Einmal Berlin, 2. Klasse. Über Leipzig oder Kassel?, fragt die Servicefrau am Münchner Schalter. Kassel ist schneller, aber teurer. Über Leipzig, sage ich, kann ich länger lesen. Haben Sie eine Bahncard?, fragt sie. Ja, sage ich, Bahncard 25. Ist mir aber noch nicht zugeschickt, setze ich überflüssigerweise hinzu.
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Dann können Sie die 25 Prozent Ermäßigung nicht erhalten, sagt sie. Die Karte ist bezahlt, sage ich, ein Abonnement, sie ist bloß noch nicht angekommen bei mir. Sie müssen eine Plastikkarte haben, sagt sie, sonst gibt es keine Ermäßigung. Hier, sage ich und zeige ihr meine abgelaufene Bahncard.
Wer möchte schon Ärger mit der Bahn?
Meine Bahncard verlängert sich automatisch, der Betrag für ein weiteres Jahr bereits abgebucht, aber die Karte ist auch vier Wochen später noch nicht da. Am Telefon wurde mir gesagt, dass ich schreiben soll. Ich habe beim Service schriftlich nach der Karte gefragt und dabei gleich das Abo gekündigt. Wer möchte schon Ärger mit der Bahn?
Die nützt Ihnen nichts, sagt die Servicefrau, als sie die alte Karte begutachtet. Ich zeige ihr den Kontoauszug mit der Abbuchung. Den habe ich vorsichtshalber eingesteckt, weil ich dachte, die Bahn traut vielleicht einem anderen guten Dienstleister mehr als mir.
Ohne Plastikkarte keine Ermäßigung
Das nützt Ihnen nichts, sagt sie, als sie den Kontoauszug durchsieht, Sie brauchen die Plastikkarte. Aber das Geld ist schon abgebucht, sage ich. Sie haben keine Plastikkarte, sagt sie. Rufen Sie doch bei Ihrem Service an, sage ich.
Sie geht und kommt mit der Auskunft zurück, dass das Geld tatsächlich abgebucht wäre, ein Abo. Das weiß ich schon, aber es freut mich, es aus ihrem Munde zu hören. Dann geben Sie mir bitte eine Karte nach Berlin, 2. Klasse, 25 Prozent Ermäßigung.
Das geht nicht, sagt sie, Sie haben keine Plastikkarte, im Zug müssen Sie die Bahncard vorzeigen. Dann geben Sie mir doch eine Bescheinigung, dass alles klar ist, sage ich. Das darf ich nicht, sagt sie. Ich möchte Ihren Nächsthöheren sprechen.
Der Zug nach Leipzig ist gerade weg
Sie geht und kommt mit einem Mann wieder. Ich bin der Teamleiter, sagt er, was kann ich für Sie tun? Eine Fahrkarte nach Berlin bitte, 2. Klasse, 25 Prozent Ermäßigung. Meine Mitarbeiterin meint, Sie hätten keine Bahncard, sagt er, dann kann sie auch keine ermäßigte Karte ausstellen.
Er weiß über alles Bescheid. Wenn wir Ihnen 25 Prozent geben, müssen Sie im Zug nachzahlen. Werden wir ja sehen, sage ich. Die Servicefrau druckt die ermäßigte Karte aus; ich zahle und haste auf den Bahnsteig. Der Zug über Leipzig ist gerade weg, aber der über Kassel steht noch da.
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