Automesse in Detroit Neuer 5er, dicker Q8

In Detroit zeigt BMW die neue 5er-Generation.

(Foto: www.daniel-kraus.com)

Die Autoschau in Detroit sei nicht mehr angesagt, meint Volkswagen - und lässt seinen Vorstand daheim. Audi und BMW sehen das anders und stellen neue Modelle vor.

Von Max Hägler

Einer der Prominentesten spart sich dieses Jahr den Auftritt in Amerika: Matthias Müller, Volkswagen-Konzernchef, kommt nicht nach Detroit. In der Motor City und den benachbarten Gemeinden haben die drei größten Autobauer der USA ihren Sitz: Chrysler, General Motors und Ford. Weil in den USA in etwa so viele Autos verkauft werden wie jeweils in Europa oder China, gehört die Auto Show jeden Januar zum Standardprogramm, ähnlich wie die Automobilmesse in Frankfurt, die IAA.

Doch bei Volkswagen haben sie dieses Jahr keine große Lust. Sie befürchten Schlagzeilen wie im vergangenen Jahr: Nachdem der Dieselskandal aufgeflogen war, kam Müller nach Detroit - und verärgerte mit einer Ungeschicklichkeit das US-Publikum: VW habe in dieser Affäre kein "ethisches Problem", sondern ein "technisches", behauptete er. Das war nun das Gegenteil der Buße, die man erwartet hatte.

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Dieses Jahr bleibt also der gesamte Vorstand daheim. Aus dem VW-Konzern heißt es dazu, mit dem Dieselskandal habe das nichts zu tun; man bündle die Aktivitäten mehr als früher, und Detroit sei nicht mehr angesagt, schließlich fehle auch Fiat-Chrysler. Das sehen die Kollegen aus Deutschland aber ganz anders - in Detroit stellen sie neue Benziner vor.

Neuer 5er, noch größere Q-Klasse

BMW wird eine Studie eines kleinen SUVs vorstellen, X2 genannt, und vor allem erstmals den neuen 5er präsentieren. Die hoch technisierte Limousine aus der oberen Mittelklasse könnte beinahe schon von allein fahren, auch wenn sie das in München nicht laut sagen. Der Daimler-Konzern aus Stuttgart präsentiert zwar nur eine Coupé-Version der E-Klasse - aber die Führungsmannschaft reist unter Leitung von Dieter Zetsche dennoch beinahe komplett an. Audi wiederum hat seine Q-Klasse erweitert und zeigt einen Q8, der nochmals größer und breiter ist als die bisherigen Versionen, gerade passend für den US-Markt. Die wichtigste Volkswagen-Marke VW wiederum ist natürlich auch vertreten, wenn eben auch ohne Unterstützung des obersten Managements. Ein VW-Bus mit Batterieantrieb könnte zu sehen sein.

In Detroit geht es also immer noch um Verbrennungsmotoren, aber es werden auch die Themen Elektromobilität und Digitalisierung erörtert. Damit schließt diese Show thematisch an eine andere US-Messe an. Gerade erst ist die CES zu Ende gegangen, die Consumer Electronics Show in Las Vegas, so etwas wie die Berliner Funkausstellung in ultramodern. Dort hat BMW ein berührungsloses Bedienfeld vorgestellt, dort wurden spannende Allianzen zwischen Computerspiel-Entwicklern, Autobauern und IT-Konzernen bekannt gegeben. Manche sehen die CES in Zeiten der Digitalisierung als bessere Konkurrenz zur Auto Show. Und das wiederum sei ein Zeichen für die Stärke der Digitalkonzerne wie Apple oder Google. Doch mittlerweile setzt sich die Erkenntnis durch: Autos und Computer zu bauen, das sind zwei verschiedene Sachen; zum Verschmelzen der Industrien wird es eher nicht kommen. Und so zieht die traditionelle Motorenschau ihrerseits nun die coole Tech-Branche an.

Ein Beispiel: In Detroit, der angeblich nicht mehr angesagten Arbeiterstadt, hat Google gerade erst ein Forschungszentrum für selbstfahrende Autos eröffnet. Der Chef der Google-Autosparte, John Krafcik, spricht zum Auftakt der Messe, die von vielen Diskussionsrunden zum Thema Digitalisierung flankiert wird. Denn mit Daten, von denen es im Auto viele gibt, wollen die Firmen künftig Geld verdienen - auch wenn sie noch nicht so genau wissen, wie das geht.

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