Mit Reklamefliegerei und Kunstflug hielt sich die zarte, junge Fliegerin über Boden, doch Afrika war und blieb ihr erklärtes Ziel. Im Januar 1931 startete sie mit einer 40 PS starken Klemm, um für einen Forscher des Dresdner Museums für Völkerkunde Luftaufnahmen seiner Afrika-Expedition zu machen. Beim ersten Afrikaflug, der über 7000 Kilometer ging, musste Elly mehrfach notlanden, immer wieder schraubte sie und reparierte ihr Flugzeug - vor ölverschmierten Händen schreckte die mutige Fliegerin nicht zurück. Doch schließlich saß sie mit gebrochener Ölleitung in der Sahara fest. Nach tagelangem Marsch erreichte sie mit Hilfe von Eingeborenen Timbuktu. "Und was hatte ich aus Afrika mitgebracht? Einen gewissen Abstand zu vielen Dingen, die mir früher ungeheuer wichtig erschienen, und die Sehnsucht nach neuen Reisen in fremde Ländern."
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Bereits im Dezember 1931 brach sie - gut vorbereitet und wie immer elegant gekleidet - zum Flug um die Welt auf: "Die unzähligen Einzelteile, Koffer, Hutschachtel, Grammophon usw. waren verstaut, ich von oben bis unten in Pelzsachen gehüllt wie ein kleiner Weihnachtsmann - Wiedersehen. Hals- und Beinbruch." Das war um neun Uhr morgens am 4. Dezember 1931. Am 26. Juli 1932 landete sie - um zahllose Erfahrungen, riskante Abenteuer und unvergessliche Begegnungen reicher - wieder in Berlin.
Sie wurde gerne "das Mädchen" genannt
Spätestens jetzt, mit 25 Jahren, war Elly Beinhorn eine Berühmtheit. Ehrungen in Serie wurden ihr zuteil, sie erhielt den Hindenburgpokal für ihre sportfliegerische Leistung, der mit 10.000 Reichsmark dotiert ihre Finanznot linderte. Und so hielt es die schlanke Frau, die gerne "das Mädchen" genannt wurde, nicht am Boden: 1933 Transatlantikflug, 1935 und 1936 Rekordflüge über zwei und drei Kontinente in je 24 Stunden, Flüge nach Amerika, Indien und wieder Afrika.
"Meine Mutter wollte nie eine Berühmtheit, nie ein Star sein, sie war einfach immer interessiert und wollte Neues entdecken, das ist bis heute so", erzählt ihr Sohn Bernd Rosemeyer, der den Namen seines nicht weniger berühmten Vaters trägt.
Bernd Rosemeyer senior war auf Auto Union einer der erfolgreichsten Rennfahrer der Silberpfeil-Ära und wurde Mitte der dreißiger Jahre bereits zur nationalen Lichtgestalt.
Elly Beinhorn, die gefeierte bildschöne Fliegerin, und der wagemutige Rennfahrer lernten sich 1935 kennen und wurden zum deutschen Traumpaar. Zeit war ihnen nur wenig vergönnt. Am 28. Januar 1938, der kleine Bernd war noch keine drei Monate alt, verunglückte Rosemeyer auf der Autobahn bei Darmstadt während eines Weltrekordversuchs mit über 400 km/h.
"Heute haben wir unseren lieben, lieben Vater verloren", schrieb Elly Beinhorn in das Tagebuch, das sie zur Geburt des Sohnes angelegt hatte. Obwohl seine Mutter nie über den Unfall und den Tod des Vaters mit ihm gesprochen habe, sagt der 69-jährige Rosemeyer, der Karriere als Mediziner machte, "hatte ich nie das Gefühl als Halbwaise aufgewachsen zu sein. Mein Vater war immer bei uns, sie hat ihn über alles geliebt". Später heiratete Elly nochmals, bekam eine Tochter, doch die Ehe hielt nicht lange.
Nach dem Krieg gehörte Elly Beinhorn zu den ersten, die wieder fliegen durften. Ihren Pilotenschein hat sie nie abgegeben, "sie hat ihn einfach auslaufen lassen", erzählt ihr Sohn. Und Elly Beinhorn wollte nie alt werden. Seit sie allerdings im Rollstuhl sitzen muss, habe sie der Ehrgeiz gepackt: 100 Jahre seien da das Mindeste. "Sie kommt gut zurecht, raucht nachmittags ihre Zigaretten und bis heute kann sie so frisch sein, wie ein junges Mädchen." Hoffentlich bleibt das noch lange so. Alles Gute!
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(SZ vom 26.5.2007)
Alles Gute zum Geburtstag!
Wobei ich gerne wüsste wozu man eine Hutschachtel und ein Grammophon auf einer Weltumrundung braucht...