Von Hermann Unterstöger

Ein Blick zurück aus der Zukunft - was uns Autofahrer in nicht allzu ferner Zeit erwarten könnte.

Leben ohne Auto: Der Preis für Erdöl ist explodiert, dasselbe gilt parallel fürs Benzin. Mittlerweile muss man für die Tankfüllung eines normalen Mittelklassewagens schon rund 100 Euro hinblättern. Wenn das so weitergeht, sind bald 500, vielleicht sogar 1000 Euro für eine Tankfüllung nicht mehr undenkbar. Mit dem Auto zu fahren, wäre reiner Luxus, den sich nur noch ganz wenige leisten könnten. Wird es dann überhaupt noch Autos geben? Und wie haben die Konzerne für den Tag X vorgesorgt?

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Vor allem die Ruhe in den Innenstädten, das kontemplative Dahinschreiten auf breiten Fußgängerwegen, die früher Straßen genannt wurden, sorgen für neue, lange nicht geahnte Glücksgefühle: Asphaltweg in New York. (© Foto: Masterfile)

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Der Tag, an dem der Benzinpreis die 1000-Euro-Marke überstieg, ist als dies aterrimus, als schwärzester Tag, in die Geschichte einer vormals mobilen Gesellschaft eingegangen. Die Lähmung seinerzeit war eine vollständige. Der Depressivität, die sich übers ganze Land legte, konnte man nur dadurch begegnen, dass man die orientierungslos vor sich hinstarrenden oder herumirrenden Leute in Gruppen von bis zu fünfzig Personen bündelte und je einem Psychotherapeuten, Seelsorger oder Animateur - wen immer man rekrutieren konnte - überantwortete. Inzwischen hat sich die Lage stabilisiert. Die Bevölkerung ist zu einer Gelassenheit herangereift, wie sie ihr schon in der Nachkriegszeit von Nutzen gewesen war, und so kann denn auch der Chronist darangehen, eine erste Skizze jener Tage vorzulegen.

Die Zeit unmittelbar nach dem Schock war ja, vorsichtig gesagt, unruhig. Unter denen, die längst nicht mehr fahren konnten, weil ihre Löhne höchstens noch für zwei, drei Tankfüllungen reichten, breitete sich Hass auf die aus, die über fast freie Autobahnen bretterten und bei einem Ausflug mehr in die Luft pusteten, als andere im Jahr an Miete zahlten.

Der Direktionsassistent Leon B., der den Motor aus Jux eine Stunde lang laufen ließ, fand sein Coupé später, zu einem Würfel gepresst, in der Fußgängerzone, und wer jetzt noch tanken fuhr, tat dies nachts, wenn die "Benzinpiraten" und sonstigen Autonomen schliefen.

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