Daimler investiert in mitfahrgelegenheit.de Mit aller Macht in die Zukunft

Daimler steigt bei einer der größten Online-Mitfahrzentralen ein. Der Autobauer setzt somit auf den Trend, kein eigenes Auto mehr zu besitzen. Die Mitfahr-Plattform hat schon Pläne, wie es nun weitergehen soll.

Von Thomas Fromm

In den Vorstandsetagen der Autohersteller klingen schon seit langem die Alarmglocken. Irgendwann, sagen Zukunftsforscher, wird es nicht mehr ausreichen, Autos einfach nur zu verkaufen. Denn die Einstellung der Menschen zum Auto ändert sich, und die damit auch die Gewohnheiten der Kunden - vor allem in Großstädten. Viele wollen ein Auto einfach nur leihen und fahren und nicht mehr unbedingt besitzen. Wollen die Autohersteller auch in Zukunft überleben, brauchen sie neue Konzepte.

Zusammen unterwegs: Mitfahrgelegenheiten wollen in Zukunft noch mehr Relevanz gewinnen. Daimler steigt deshalb bei der Münchner Mitfahrzentrale Carpooling.com ein, die unter anderem mitfahrgelegenheit.de betreibt.

(Foto: AllzweckJack / photocase.com)

Der Autobauer Daimler gründete schon vor Jahren sein Autovermietungs-Netzwerk car2go und das Mitfahrsystem car2gether. Jetzt geht der Konzern noch einen ganzen Schritt weiter und steigt bei der Mitfahrzentrale Carpooling.com ein. Der Deal soll so ablaufen: Der Online-Mitfahrzentrale aus einem Münchner Hinterhof fließt im Zuge einer Kapitalerhöhung Geld aus Stuttgart in die Kassen. Im Gegenzug erhalten die Schwaben einen Minderheitsanteil an dem Unternehmen, an dem weiterhin die Hauptgesellschafter - die drei Firmengründer und der Wagniskapitalgeber Earlybird - die Mehrheit halten werden.

Über die gezahlte Summe und den künftigen Anteil Daimlers wollen die Beteiligten nicht reden. Nur so viel: In München ist man zufrieden über den Einstieg des Weltkonzerns. "Für uns bedeutet es, mit Daimler einen strategischen Partner gefunden zu haben, der uns neben Kapital durch seine weltweite Präsenz auch das nötige Know-how gibt, um weiter wachsen zu können", sagte Carpooling-Chef Markus Barnikel der Süddeutschen Zeitung. Man werde das Geld nutzen, um die "Angebote weiter zu verbessern, den Kundenservice auszubauen und weltweit noch mehr Nutzern zugänglich zu machen".

Das Geschäftsmodell der Münchner mit Angeboten wie www.mitfahrgelegenheit.de basiert auf einer einfachen Annahme: Weil immer mehr Menschen keine Lust mehr haben, mit leeren Autos von A nach B zu fahren, suchen sie häufig spontan Mitfahrer - und zwar möglichst Menschen, mit denen sie mehrere Stunden im Auto verbringen möchten. An die 40 Mitarbeiter in München steuern die Internet-Plattformen, über die Beifahrer dann zu den Autofahrern gebracht werden. Eine alte Idee, die sich in Zeiten von Internet, Smartphone-Apps und Facebook neu umsetzen lässt. Carpooling.com steht inzwischen für 45 Länder, 5000 Städte und an die 650.000 Fahrt-Angebote täglich. Barnikel will nun expandieren, schon in der zweiten Jahreshälfte werde man Aktivitäten in den USA aufnehmen, sagte er vor einigen Monaten im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Im nächsten Jahr dann würden Asien und Südamerika folgen.