Critical-Mass-Bewegung Die Teilnehmer halten sich an die Verkehrsregeln. Weitgehend

Die Veranstaltungen sind nicht als Demonstration angemeldet, aber die Polizei weiß, wann sich die Radler treffen, und kann darauf achten, dass möglichst keine Unfälle passieren. "Kein gesunder Autofahrer wünscht sich einen Radler auf der Motorhaube", sagt Bernd-Michael Paschke. Er glaubt, wenn die Leute mehr Sichtkontakt aufnehmen und in ähnlicherem Tempo unterwegs wären, käme es zu weniger Unfällen zwischen Rad und Auto.

Die Critical-Mass-Teilnehmer halten sich an die Verkehrsregeln. Weitgehend. Ein einzelner Fahrradfahrer muss auf dem Radweg fahren, sofern die Beschilderung dies vorschreibt, aber eine Gruppe nicht unbedingt. Mehr als 15 Radfahrer dürfen laut Straßenverkehrsordnung einen "geschlossenen Verband" bilden, der als solcher für die anderen Verkehrsteilnehmer erkennbar sein muss. Ein geschlossener Verband darf sich so auf der Straße bewegen, als wäre er ein Pferdefuhrwerk - zum Beispiel darf das hintere Ende des Verbands noch über eine Ampel fahren, wenn sie auf Rot umschaltet und der vordere Teil schon durch ist.

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Manchmal dauert eine Ampelüberquerung 22 Minuten

Im Verband dürfen auch mehrere Fahrräder nebeneinander fahren - allerdings nur, wenn dadurch der nachfolgende Verkehr nicht behindert wird. Was das genau bedeutet, ist Auslegungssache. Bei einer Massenausfahrt in Berlin kann es deshalb schon mal dauern, bis die Fahrbahn wieder frei ist für den Autoverkehr. "Ich habe mal mitgefilmt, es ging 22 Minuten, bis keine Räder mehr kamen", sagt Paschke. Für manch einen Autofahrer ist nach zwei, drei Minuten Wartezeit allerdings schon der kritische Punkt erreicht.

Bei Gruppenausfahrten werden Radler ganz sicher nicht übersehen. Einzelnen Radlern passiert das leider immer wieder. Bei einem Unfall in Kreuzberg vergangene Woche wurde ein Radler schwer verletzt, ein Autofahrer hatte in der engen Straße unachtsam die Tür geöffnet. Die Organisation "Volksentscheid Fahrrad" hatte wegen des Vorfalls am Sonntag zu einem "Sit-in" aufgerufen. Für ein Fahrrad-Volksbegehren sammelte die Initiative 100 000 Unterschriften, sie fordert ein Gesetz, das unter anderem breite Radwege an jeder Hauptstraße vorsieht.

"Wir sind eher eine Sportgruppe als eine Demo"

"Man braucht individuelle Lösungen für jede Straße", sagt Paschke, "man kann nicht pauschal sagen: mehr Radwege, und alles wird gut." Konkrete politische Forderungen hat Critical Mass nicht auf der Agenda, zumal es sich eben um eine Gruppe anonymer Gleichgesinnter und nicht um einen Verein handele und es keinen offiziellen Sprecher gebe, "wir sind eher eine Sportgruppe als eine Demo".

Grischa Weberstädt, einer seiner Radweggenossen an diesem Tag, ergänzt: "Es hatte anfangs politische Gründe, dass ich da mitgeradelt bin - nach dem Motto: Die Straße gehört uns." Mittlerweile gehe es ihm eher "um das Soziale". Einen sozialen Aspekt hat eine Radtour mit Bernd-Michael Paschke auf jeden Fall. Er fährt und plauscht. Das ist übrigens nicht verboten, solange man den "Verkehr nicht behindert". Aber auch das ist: Auslegungssache.

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