Von Bernd Woyta

Der C5 geht als neues Spitzenmodell der französischen Marke an den Start und soll Oberklasse-Komfort zum Mittelklasse-Tarif bieten.

Wenn Citroën ein neues Automobil präsentiert, fällt traditionell das Stichwort Avantgarde. Beim C5 war es nicht anders, und weil der auf einer neuen Plattform entwickelte Wagen das einstige Premium-Modell XM ersetzen soll, waren die Erwartungen entsprechend hoch gesteckt.

Temperament unter der Haube - nicht nur rein optisch: der C5 (© Foto: Citroën)

Anzeige

Doch der erste Blick bringt zumindest bei Fans der Marke Ernüchterung, denn das hauseigene Styling-Zentrum formte den C5 eher unspektakulär als aufregend futuristisch.

Komfort mit moderner Multiplex-Elektrik

Dennoch darf die neue Limousine den Doppelwinkel mit Stolz tragen. Einige der Gründe dafür sind im Kapitel Multiplex-Elektrik zusammengefasst: Automatisch schalten sich bei Dunkelheit die Scheinwerfer, bei Regen die Scheibenwischer und bei scharfem Bremsen die Warnblinkanlage ein. Ferner gibt es Reifenluftdrucküberwachung und elektronische Einparkhilfe.

Nicht alle Features sind serienmäßig, und die lautlosen Helfer haben ihre konstruktionsbedingten Eigenarten. So lassen sich beispielsweise die Sensoren für das Einschalten der Scheinwerfer leicht irritieren, wenn ein Tunnel mit seitlichem Lichteinfall passiert wird.

Bequem reisen auch auf langen Strecken

Aber grundsätzlich fühlt sich der Fahrer entlastet und außerdem gut untergebracht. Denn der mit 1,48 Metern ungewöhnlich hohe C5 ist sehr geräumig ausgefallen, selbst für das Gepäck bleibt ein Raum von 456 Litern. Der Kofferraum verbirgt sich übrigens unter einer großen Heckklappe, obwohl das Auto die Optik einer Stufenheck-Limousine besitzt.

Das großzügige Platzangebot, die Vielzahl der Ablagen und das geradezu überdimensionierte Handschuhfach machen den C5 zum Objekt der Begierde für die ganze Familie. Hinzu kommt, dass die komfortablen Sitze lange Reisen in diesem Auto zum Genuss werden lassen. Sie bieten genügend Seitenhalt, solange Kurven mit einem Tempo durchfahren werden, das sich für einen verantwortungsvollen Familienvater gehört.

Sportlich, aber kein Raser

Der C5 animiert nicht unbedingt zum Rasen, aber dennoch steckt in ihm durchaus ein Stück Sportwagen, zumindest, was die Fahreigenschaften betrifft. Das sogenannte Hydraktiv-3-Fahrwerk, die "dritte Generation der denkenden Federung" von Citroën, wartet nämlich nicht nur mit dem von dieser Marke gewohnten, hervorragenden Fahrkomfort auf. Wie bereits von anderen Citroën-Modellen bekannt, lässt sich natürlich eine beladungsunabhängige, konstante Bodenfreiheit einhalten, und letztere ist auch noch verstellbar.

Optimale Kurvenlage

Doch das neue hydropneumatische Fahrwerk kann noch mehr, und nicht umsonst bemerkt Citroën-Sprecher Thomas Albrecht: "Wir glauben, dass wir vorerst ohne ESP auskommen." Ausgerüstet mit der Hydraktiv-3-Basisversion (serienmäßig im 1.8i 16 V und im 2.0 HDi), die vier Federkugeln umfasst, passt sich die Bodenfreiheit des C5 automatisch der Straßenqualität an und verringert sich bei höheren Geschwindigkeiten.

Vorteil: Der Schwerpunkt liegt tiefer, das bringt mehr Fahrsicherheit. Zudem fällt der Verbrauch wegen der kleineren Luftangriffsfläche niedriger aus. Und zu guter Letzt bietet das Fahrwerk sogar eine automatische Veränderung der Federungsabstimmung und passt sich dem Fahrstil des Fahrers an.

In der Praxis ist dies deutlich spürbar. Wenn dem C5 die Sporen gegeben werden, durchpflügt er Kurven fast ohne Seitenneigung, gibt sich straff gefedert wie ein Sportwagen und bleibt beeindruckend neutral und spurtreu.

Nur in sehr engen oder sehr zügig durchfahrenen Kehren schiebt er leicht über die Vorderräder. Einer solch sportlichen Fahrweise kommt auch die direkte Lenkung (drei Lenkradumdrehungen von Anschlag zu Anschlag) mit drehzahlabhängiger Servounterstützung entgegen, die genau wie die Bremse nicht mehr in den Hydraulikkreis des Fahrwerks integriert ist.

Nebenbei vereinfachte sich dadurch der Aufbau des Hydrauliksystems. Das bringt Vorteile bei der Wartung. Mit wesentlich weniger sportlichen Ambitionen ist der neue, erstmals in einem Modell des PSA-Konzerns (Peugeot, Citroën) eingebaute 2.0-Liter-HPi-Motor mit Benzindirekteinspritzung gesegnet.

Zu wenig Power für einen 140-PS-Motor

Das wäre kein Grund zur Sorge, würde er doch damit eher zum Charakter des C5 passen. Dennoch fällt die Ehe nicht ganz harmonisch aus, denn zum komfortablen Reisen gehört eine gewisse Leichtfüßigkeit, die der mit diesem Motor angetriebene C5 nicht immer vermitteln kann.

Besonders, wenn Durchzugsvermögen gefragt ist oder die Straße ansteigt wäre etwas mehr Lebendigkeit wünschenswert. So muss öfter zum Schalthebel des Fünfganggetriebes gegriffen werden, als es ein 140-PS-Motor erwarten lässt.

Bei hoher Drezahl wird's laut

Die subjektive Einschätzung, erst im mittleren Drehzahlbereich genügend Leistung zur Verfügung zu haben, wird durch das Datenblatt bestätigt. Leider gibt der Motor mit wachsender Drehzahl seine akustische Zurückhaltung zunehmend auf.

Dies stört nicht nur das Komfortempfinden. Hohe Drehzahlen machen auch den Verbrauchsvorteil dieses Aggregats teilweise zunichte. Durch Schichtladebetrieb und Magergemisch lassen sich speziell im Teillastbereich und bei Drehzahlen unterhalb von 3500/min die größten Einsparungen erzielen. Im Durchschnitt soll der HPi 7,5 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen.

Gleichwohl fühlt sich der zum Preis von knapp 50.000 Mark angebotene C5 Exclusive mit dem HPi-Vierzylinder nicht untermotorisiert an. Dennoch gibt es im C5-Programm Motoren - wie den V-Sechszylinder oder den 2.2 HDi -, die besser zu diesem Automobil passen.

Quelle: autocert.de

Leser empfehlen