Kraftvoller Retro-Look, und der PT ist auch noch praktisch

(SZ vom 01.04.2000) Die Zeichen der Anerkennung können verschieden sein: ein nach oben gereckter Daumen, ein freundliches Lächeln oder ein zustimmender Ausruf. Wer die ganze Palette von Komplimenten erfahren will, der setze sich doch einfach zu einer Probefahrt in den neuen PT Cruiser von Chrysler, heißt unser Tipp. Er ist ein Auto, das positiv auffällt, weil er mit keinem anderem Großserienmobil direkt verglichen werden kann. Der Cruiser sei "zu cool, um ihn kategorisieren zu können", behaupten die Marketing-Gurus von Chrysler - und sie haben damit Recht. Die bullige Motorhaube mit den waagrechten Lufteinlässen und die hervorquellenden Kotflügel erinnern zusammen mit der steil stehenden Front- und Heckscheibe an einen Hot Rod, jene Feger-Autos aus dem Amerika der 40er und 50er Jahre. Von der Seite betrachtet, könnte man den PT ( = Personal Transport) für einen Kombi halten, und wer sich den Innenraum näher ansieht, fühlt sich an einen Minivan erinnert. Diese Elemente haben die Chrysler-Designer zu einer einzigartigen Melange zusammengerührt, die einem Autofan schmeckt - oder auch nicht, gleichgültig lassen wird sie ihn auf keinen Fall.

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Diese Emotionalität ist schon mal eine gute Voraussetzung dafür, dass sich bei DaimlerChrysler nicht nur die Designer freuen dürfen, sondern auch die Buchhalter. Denn der Cruiser soll die Geschäfte von Chrysler kräftig beflügeln - vielleicht ziert zu diesem Zweck das alte, geflügelte Firmen-Emblem wieder Front- und Heckpartie. 3000 Exemplare sollen heuer noch in Deutschland verkauft werden. Nächstes Jahr, wenn die Fertigung zusätzlich zum mexikanischen Toluca im österreichischen Graz aufgenommen wird, sind gar mehr als 10 000 Exemplare geplant.

Gut aussehen - das ist bei einem Automobil aber erst die halbe Miete - damit aus einem Hingucker ein Kassenklingler wird, müssen auch die Fahreigenschaften und der Nutzwert stimmen. In beiden Disziplinen hat der Cruiser einiges zu bieten, wie sich bei ersten, kurzen Fahrten herausstellte. Fahrverhalten und Komfort sind so gut dem europäischen Geschmack angepasst, wie dies bisher bei kaum einem US-Auto der Fall war. Das Fahrwerk ist straff, aber nicht unbequem, und der 4,29 Meter lange Cruiser lässt sich mit der Servolenkung zielgenau dirigieren. Angetrieben wird der PT von einem 2,0-Liter-Vierzylinder, der von dem Aggregat aus dem Neon abstammt. 104 kW (141 PS) reichen für eine flotte Fahrweise, bis bei 190 km/h der Gegenwind stärker wird als der Vortrieb. Nur Leistungsfetischisten werden sich einen Sechszylinder unter der motzigen Haube wünschen. Dafür verbraucht der PT nach Werksangaben nur 8,6 Liter Normalbenzin auf 100 Kilometer - kein schlechter Wert, aber mehr, als während der Prohibition erlaubt gewesen wäre.

Nicht spartanisch ist die Ausstattung ausgefallen: ABS und Traktionskontrolle sind ebenso serienmäßig wie die große Variabilität des Innenraums. Denn der Cruiser sorgt nicht nur wie der New Beetle für einen Aha-Effekt, er ist im Gegensatz zu diesem ein ausgesprochen praktisches Auto für vielerlei Transportaufgaben: Die Rückbank kann umgeklappt oder schnell ausgebaut werden. Die Abdeckung des Laderaums lässt sich in vielen Positionen verankern und sogar als Tisch oder Einkaufstütenhalter verwenden - wirklich pfiffig. Armaturen und Bedienelemente folgen dem Designermotto "Rund ist schön". Der Einfluss von Mercedes-Benz beschränkte sich auf die Sicherheitsausstattung: Die Stuttgarter bestanden dem Vernehmen nach auf Seitenairbags, was die konventionelle Konkurrenz à la VW Golf Variant, Renault Scénic oder Fiat Multipla auch zu bieten hat. Die Preise sind fair: Die Basisversion kostet 34 950 Mark, der um Radio, Klimaanlage, Teil-Lederausstattung und Leichtmetallfelgen angereicherte Touring 38 950 Mark und der Limited mit zusätzlichem Dachträger und Chromrädern 42 950 Mark.

Der PT Cruiser ist ein Auto, das Laune macht. Probefahrten sind bisher allerdings nur bei einigen Autovermietungen in den USA möglich, die den Cruiser schon in ihrem Programm haben. Wer nicht extra in die USA reisen will, muss in Deutschland bis zum 24. Juni warten.

Von Otto Fritscher

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