Carplay-Plattform Apple will ins Auto

Mercedes-Benz verwendet Apple Carplay in der neuen C-Klasse.

Der Wettlauf um das vernetzte Auto hat begonnen. Statt ihre Smartphones nur mit dem Fahrzeug zu verbinden, wollen Hersteller wie Apple und Google Teil des Autos werden. Der iPhone-Konzern hat dafür nun die Plattform Carplay vorgestellt. Doch die Elektronik darf den Fahrer nicht ablenken.

Von Helmut Martin-Jung

Apple macht einen Schritt zur Integration seiner Geräte und Dienste im Auto. Dazu hat der Konzern eine Plattform mit dem Namen Carplay vorgestellt. Über diese kann man unter anderem während der Fahrt auf den sprechenden Assistenten Siri, Kartendienste und die eigene Musik zugreifen. Als erste Fahrzeuge sollen diese Woche Modelle von Mercedes, Volvo und Ferrari die Technologie bekommen.

Autos sind rollende Computer - die Kunden wünschen sich zunehmend mehr Infotainment und damit Wege, um ihr Smartphone einbinden zu können.

Dieselben Konzerne, die sich auf dem Markt der Mobilgeräte um Marktanteile streiten, kämpfen daher auch um einen Platz am Auto-Armaturenbrett. Nun steht Apple offenbar kurz davor, eine Partnerschaft mit drei Autoherstellern anzukündigen. Der Financial Times zufolge geht es dabei um Mercedes-Benz, Volvo und Ferrari. Die Kooperation solle in dieser Woche auf dem Genfer Autosalon bekanntgegeben werden. Weitere Hersteller könnten noch in diesem Jahr dazustoßen. Apple hatte seine Pläne, das Mobilbetriebssystem iOS tiefer in Autos zu integrieren, im vergangenen Sommer vorgestellt.

Aber auch Google hat seine Bemühungen verstärkt, mit Autoherstellern zu kooperieren. An der "Open Automotive Alliance", deren Gründung Anfang des Jahres verkündet wurde, beteiligen sich die Autohersteller Audi, General Motors, Honda und Hyundai sowie die Computergrafikfirma Nvidia. Weitere Größen auf dem Markt sind Microsoft, der zusammen mit Ford das System "Sync" entwickelt hat sowie die Firma QNX, die vom Handyhersteller Blackberry aufgekauft wurde.

Ablenkung durch Technik

Sie alle wollen nicht mehr bloß ein bisschen digitales Beiwerk liefern, sondern tief in die Systeme der Autos integriert werden. Apple, Google und Microsoft investieren daher Milliarden in ihre Kartendienste und treiben die Entwicklung von Spracherkennung weiter - Apples vom iPhone bekannter sprachgesteuerter Assistent Siri ist dafür ein gutes Beispiel.

Die Autohersteller stehen vor dem Problem, dass die Technik der mobilen Geräte sich schnell verändert - viel schneller als die von Autos, die einige Jahre an Entwicklungszeit benötigen und dann zehn Jahre oder länger gefahren werden.

Ein wichtiger Faktor ist aber auch, dass Apps vom Handy auf dem Bildschirm des Autos wiedergegeben werden - in einer Form, die möglichst wenig vom Verkehrsgeschehen ablenkt. Erst kürzlich stand eine Autofahrerin in den USA vor Gericht, weil sie mit der Datenbrille von Google Glass Auto gefahren ist - ihr wurde vorgeworfen, durch die Brille abgelenkt worden zu sein.

Ergänzt mit Material von dpa