BMW X2 im Fahrbericht Ebenso dynamisch wie teuer

Der neue BMW X2 kostet mindestens 34 050 Euro.

(Foto: Fabian Kirchbauer/BMW)

Der neue X2 mit Zweiliter-Diesel ist stark und giert nach Kurven. Obwohl er einige Schwächen zeigt, besitzt BMW mit ihm die Lizenz zum Gelddrucken.

Von Georg Kacher

Crossover (CUV) sind im Prinzip eine Lizenz zum Gelddrucken. Noch mehr Geld verdienen die Hersteller mit den imageträchtigen Coupé-Varianten, die in der Herstellung keinen Cent teurer sind. BMW hat diese Entwicklung mit dem X6 vor zehn Jahren selbst angezettelt, 2013 mit dem X4 nachgelegt, 2018 den neuen X2 erstmals im Volumensegment positioniert und für das Modelljahr 2021 den luxuriösen X8 avisiert.

Der X2 trifft auf starke Konkurrenz, doch die wichtigsten Wettbewerber Audi und Mercedes kommen mit den Nachfolgern von Q3 und GLA neun beziehungsweise zwölf Monate später auf den Markt. Nahezu zeitgleich mit dem X2 starten der Jaguar E-Pace auf Basis des in die Jahre gekommenen Range Rover Evoque und der Volvo XC40, von dem es als einzigem Fahrzeug in diesem Segment schon Ende 2019 eine rein elektrische Variante geben soll.

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Der günstigste X2 steht zum Placebo-Preis von 34 050 Euro beim Händler. Nackt, wie Chefdesigner Adrian van Hoydoonk ihn schuf, mit dem 140 PS starken Dreizylinder-Benziner samt Schaltgetriebe. Vernunft: zehn Punkte, Flair: vier Punkte. Der 63 800 Euro teure, mit 21 Extras gespickte Testwagen stellt diese Gleichung buchstäblich auf den Kopf - und das, ohne mit übermäßig viel Leistung zu protzen, denn der 2,0-Liter-Diesel mobilisiert klassenübliche 190 PS und 400 Newtonmeter. Damit beschleunigt der mit 1675 Kilogramm vergleichsweise leichte 2.0d xDrive in 7,7 Sekunden von Null auf 100 Stundenkilometer und ist 221 Kilometer pro Stunde schnell. Um den Normverbrauch von 4,6 Liter je 100 Kilometer nachzuvollziehen, braucht es aber einen stark sedierten Gasfuß. Kann man denn in diesen Zeiten überhaupt guten Gewissens einen Diesel empfehlen? Man kann, wenn er wie dieser die Abgasnorm 6d erfüllt.

Der X1 macht fast alles richtig, doch der X2 macht manches noch besser. Was beide nicht gut können, ist geschmeidig federn und dämpfen, weder im Komfortmodus der optionalen Verstelldämpfer noch in Verbindung mit den relativ weichen 17-Zoll-Winterreifen. Der BMW rollt knöchern ab und reagiert kurz angebunden auf Querfugen und Belagwechsel, aber das liegt sicher auch am Sportfahrwerk, das im getesteten M Sport X-Modell ebenso Serie ist wie die hellgraue Off-Road-Schminke.

Totaler Verzicht auf jede Art von Elektrifizierung

Kritik verdienen darüberhinaus die mäßige Sicht nach schräg hinten und der totale Verzicht auf jede Art von Elektrifizierung. Nicht einmal ein Mild Hybrid oder ein 48-Volt-Bordnetz sind verfügbar. Dabei würde speziell der masseträgen Kombination aus Diesel, Automatik und Allrad ein elektrisch angetriebener Verdichter gut tun, um die gewisse Anfahrschwäche und das Kickdown-Turboloch zu kompensieren.

Im Gegensatz zu den Wettbewerbern, die mit immer größeren, bunteren und komplexeren Touchscreens ein Ticket in die digitale Zukunft lösen möchten, behält der X2 den bewährten iDrive-Controller. Die Gestensteuerung bleibt dankenswerterweise außen vor, dafür wird die Sprachsteuerung immer besser, selbst wenn die Zieleingabe Stephansposching zu keinem Ergebnis auf deutschem Hoheitsgebiet führte.