von Günther Fischer

Was der nicht alles kann: Türen alleine schließen, telefonieren, navigieren, Musik speichern, im Internet surfen. Natürlich fährt er auch. Bleibt nur die Frage: Braucht man wirklich so viel Auto? Ein Praxistest

Stuss und Genuss Er gleitet, sanft und unauffällig: Wer wie wir per Tastendruck auf der Mittelkonsole die Fahrdynamik- und Dämpferregelung "Comfort" bevorzugt, hat unvermittelt den Eindruck, in einer französischen DS-Sänfte der siebziger Jahre zu sitzen - was sich auf langen Autobahnstrecken als höchst angenehm erweist. Der neue 7er kann aber auch ganz anders: Die Einstellung "Sport +" verwandelt ihn in einen äußerst agilen Sportwagen. Das Schöne dabei: Die Technik dafür - also per Tastendruck die Dämpferhärte, die Schaltdynamik der Sechsgang-Automatik sowie die Kennlinien des Gaspedals und der Lenkunterstützung zu bestimmen - gibt BMW seinem Großen serienmäßig mit.

Die Front des neuen 7er: nicht mehr so aggressiv wie bisher von BMW gewohnt, aber immer noch breit genug (© Foto: Fischer)

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Das Sportwagen-Feeling gewinnt kräftig hinzu, wenn die optionale Vierradlenkung mit an Bord ist. Mit seiner präzisen Lenkung jagt der neue 7er dann so agil durch die Kurven, dass man das Gefühl hat, ein um Klassen kleineres Auto zu bewegen. Die mitlenkende Hinterachse verringert den Wendekreis je nach Geschwindigkeit um bis zu 70 Zentimeter, so dass er sich auch beim Rangieren als unglaublich handlich erweist.

Zudem sind eine Menge elektronischer Helferlein an Bord, die das Fahren erleichtern und sicherer machen sollen: zum Beispiel Spurwechsel-, Spurverlassen- und Bremsassistent. Als richtig sinnvoll erwiesen sich im Alltag der Spurwechselwarner - am Außenspiegel blinkt dann ein Dreieckssymbol -, die Parc Distance Control (PDC), die Rückfahrkamera und die beiden in den vorderen Radläufen untergebrachten "Side View"-Kameras: Sie blicken lange vor dem doch recht weit hinten sitzenden Fahrer links und rechts um die Ecke, um rechtzeitig auf Fußgängern oder Querverkehr aufmerksam zu machen. Angezeigt werden die Bildern auf dem Navigationsbildschirm. Dieser Siebener 7er kann sogar Verkehrszeichen lesen, die jeweilige Geschwindigkeitsbegrenzung wird dann im Head-up-Display (auch eine prima Einrichtung) angezeigt - enorm hilfreich, wenn man in ungewohntem Terrain unterwegs ist.

Was uns allerdings kräftig irritierte, war der elektrische Türschließ-Mechanismus. Fiel die Temperatur unter null Grad, erwies sich die Beifahrertür mehr als einmal als ziemlich störrisch: Mal zog der Elektromotor die Tür nicht ins Schloss, sie blieb offen und das Wegfahren war nicht möglich. Verriegelten wir Tür von innen, ließ sie sich partout nicht mehr öffnen. Ein mechanisches Eingreifen ist mangels Türschloss nicht möglich - und das Betriebshandbuch sieht diesen Defekt erst gar nicht vor. Da ist wohl etwas Nachbesserung nötig.

Saft und Kraft Erstaunlich: Zum ersten Mal seit langer Zeit fahren wir einen Wagen, dessen Verbrauch sich tatsächlich als fast so niedrig erweist wie vom Hersteller angegeben; 7,4 Liter ergab der Praxistest, 7,2 Liter war die Vorgabe. Der Mehrverbrauch von 0,2 Liter: eine quantité négligeable. Wenn der Bordcomputer nach dem Volltanken eine Reichweite von mehr als 1000 Kilometern verspricht, kommt durchaus Freude auf.

Die von BMW gebetsmühlenartig vorgetragenen Vorteile der vielen EfficientDynamics-Maßnahmen zeigen Wirkung - immerhin muss der 180 kW / 245 PS starke Reihensechszylinder einen rund zwei Tonnen schweren Luxuswagen bewegen. Und das nicht einmal besonders schonend: zunächst mit hohem Tempo über die Autobahn, und dann über die kurvigen Landstraßen der italienischen Toskana.

Dass er bei Bedarf in rund sieben Sekunden auf Tempo 100 sprintet, ist im Alltag eine rein theoretische Größe. Er kann's mit Sicherheit, aber es ist vor allem das bärige, bereits ab 1750 U/min bereitstehende Drehmoment von 540 Nm, das jederzeit ein souveränes und auch fast lautloses Überholen erlaubt. Es geht eben nichts über Elastizität.

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