Für 130 000 Mark gibt es 3,9 Liter Hubraum, 245 PS und einen unerwartet niedrigen Verbrauch

(SZ vom 12.05.1999) Jetzt werden die Münchner flapsig: Von "mächtig Dampf unter der Haube" ist in den Unterlagen für ihre jüngste Kreation die Rede. Doch BMW hat keinen neuen Sportwagen auf die Räder gestellt, sondern der seit 1994 auf dem Markt befindlichen 7er-Reihe neuen Schwung eingehaucht: Die Luxuslimousine kann von Juni an mit einem neuen Dieselmotor geordert werden - was an sich noch nichts besonderes wäre. Aber dieses Aggregat ist weltweit der erste Selbstzünder mit acht Zylindern, der eine Luxuslimousine befeuern darf.

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Diesel und automobile Oberklasse - das waren in der Vergangenheit Technikphilosophien, die so gut zusammenzupassen schienen wie ein Lagerfeuer und ein Fünf-Gänge-Menü. Doch seitdem in den Chefetagen das Sparen angesagt ist, kommt es sicher dem Manager-Image zugute, wenn selbst der Dienstwagen als sparsam bezeichnet werden kann. Das trifft auf den 740d in der Tat zu: 9,8 Liter durchschnittlicher Verbrauch auf 100 Kilometer ist ein Wert, den bisher nur der weitaus schwächer motorisierte 730d mit 8,7 Liter unterbieten konnte.

Wenn der Gasfuß leicht kitzelt

180 kW (245 PS) haben die Ingenieure dem 3,9-Liter-Motor entlockt. Noch beeindruckender ist allerdings das Drehmoment: 560 Nm liegen zwischen 1750 und 2500/min an, was in der Praxis ein schier endloses Durchzugsvermögen bedeutet. Gleichgültig, welchen Gang die serienmäßige Fünfgang-Automatik gerade ausgesucht hat: Schon wenn der Fuß des Fahrers das Gaspedal nur leicht kitzelt, legt der 740d einen deutlich spürbaren Vorwärtsdrang an den Tag; wenn das Pedal tiefer gedrückt wird, spurtet die Limousine kraftvoll los, wobei es gleichgültig zu sein scheint, ob man gerade an einer Steigung ist oder zu einem Überholmanöver ansetzt. Man ist versucht, von einer Dampfmaschine zu sprechen, die gleichmütig und gleichmäßig unter hohem Druck arbeiten kann.

Subjektiv scheint der Diesel vehementer zu Werke zu gehen als der um 41 PS stärkere 4,0-Liter-V8 im normalen 740i. Dem widerspricht aber die Papierform: Mindestens 8,4 Sekunden zeigt die Stoppuhr, bevor der 740d die 100-km/h-Marke durcheilt hat, während dies der 740i mit dem Otto-Motor in 7,0 Sekunden schafft. Der Vorwärtsdrang des Benziners endet - elektronisch begrenzt - bei 250 km/h, während dem Diesel bei 242 km/h die Puste ausgeht. Diese geringfügigen Leistungsvorteile des 740i müssen aber an der Tankstelle ziemlich teuer bezahlt werden: Der 210 kW (286 PS) starke Otto-V8 genehmigt sich nach den Werksangaben 12,5 Liter Super auf 100 Kilometer, immerhin 2,7 Liter mehr als der neue Achtzylinder-Diesel. Das kann auf die Dauer ganz schön auf das Budget gehen.

Diese bislang einzigartige Verbindung von Leistung reichlich und Verbrauch knapp haben die Ingenieure erzielt, indem sie aus dem Motor ein Hightech-Paket gemacht haben. Hier nur einige Stichworte: vier Ventile pro Zylinder, zwei Ladeluftkühler, Direkteinspritzung, Common-Rail-Technik mit einem Einspritzdruck bis zu 1350 bar, Abgasrückführung und zwei Turbolader. Deren Turbinenschaufeln werden nicht mehr durch Unterdruck, sondern erstmals elektrisch verstellt, was zehnmal schneller geht. Im Fahrbetrieb sorgt das für ein noch besseres Ansprechverhalten des Motors.

Bei ersten, kurzen Fahrten zwischen den Ortschaften Klaus und Bayern erwies sich der 740d als äußerst souveräne Reiselimousine. Der Bordcomputer meldete bei normaler Fahrweise auf Autobahnen und Landstraßen einen Verbrauch zwischen 10,1 und 11,5 Litern. Das Fahrwerk kommt mit der angebotenen Leistung gut zurecht, und mit den für die 7er-Reihe verfügbaren Extras läßt sich so eine Limousine komponieren, die sich hinter der aktuellen S-Klasse aus Stuttgart nicht zu verstecken braucht.

Allerdings hat dieser Luxus seinen Preis: Mit 130 000 Mark gehört der 740d trotz seiner eingebauten Sparsamkeit beileibe nicht zu den Schnäppchen. Er ist rund 4000 Mark teurer als der 740i - bei hohen jährlichen Fahrleistungen dürfte sich dieser Betrag aber ziemlich schnell amortisieren. Daß BMW richtig damit liegt, verbrauchsgünstige Dieselmotoren in seine Flaggschiffe einzubauen, beweist wohl auch der Umstand, daß Mercedes-Benz und Audi schon recht bald mit ähnlichen Kombinationen auf den Markt kommen werden.

BMW-Chef Joachim Milberg sieht im 740d einen "Beweis für unsere Kompetenz" - und er konnte sich einen Seitenhieb auf VW-Boß Ferdinand Piëch nicht verkneifen: "Wir wenden keine Plattformstrategie an, denn wir verkaufen Maßanzüge und keine Meterware. "

Von Otto Fritscher

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