Auch Biedermänner reifen zum Klassiker - zum Beispiel der Santana. Der kantige VW hat sein Hosenträgerimage längst abgelegt - und Tilman Grund weiß, warum er ihn fährt.

In der Serie "Blech der Woche" stellt die Redaktion von sueddeutsche.de Old- und Youngtimer vor - frei nach den Motti: Alte Liebe rostet nicht, oder: Liebe geht durch den Wagen. Schließlich ist die Beziehung von Mensch und Maschine eine unendliche Geschichte voller Leidenschaften.

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Einst bieder, heute begehrt: der VW Santana (© Foto: Carsablanca)

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"Rettet den Santana!" appellierte der Motorjournalist Till Schauen bereits im Sommer 1997 an die Leserschaft der Zeitschrift Oldtimer-Praxis. Zumindest bei Carsablanca-Mitglied Tilman (SantanaGX5) traf er damit auf offene Ohren. Tilman Grund ist Santana-Liebhaber durch und durch. "Als Schauen den Slogan von der Rettung des Santana kreierte, war ich gerade 18 und hatte mir ein paar Wochen zuvor meinen ersten eigenen Wagen gekauft", erinnert sich der geborene Hildesheimer.

Aber warum ausgerechnet dieses Modell, das nach Ansicht vieler Zeitgenossen das Spießigste ist, was die Wolfsburger Autobauer seit dem Nasenbären vom Typ 411 konstruiert hatten? Was war der Auslöser? Ein Erlebnis in früher Kindheit vielleicht?

"Sie werden lachen, genau so war's", gibt der 29-Jährige zu. "Allerdings haben meine Vater oder die nähere Verwandtschaft nie einen besessen. Meine Eltern hatten nur mal einen Santana als Leihwagen, als ich ungefähr fünf Jahre alt war. Der hat mich damals so beeindruckt, dass ich gesagt habe, so einen will ich später auch." Da sage noch einer, der Mensch würde nicht durch frühkindliche Eindrücke geprägt ...

Bis zur Erfüllung dieses Wunsches sollten jedoch noch etliche Jahre vergehen. Seinen ersten eigenen Stufenheck-VW, einen 83er in goldmetallic mit LX-Ausstattung, fand Tilman am Straßenrand und erwarb ihn vom Fleck weg. Es folgten zweieinhalb sorgenfreie Jahre mit einem gut erhaltenen, zuverlässigen Auto - bis Tilmans Erster durch eine unplanmäßige Kaltverformung aus dem Straßenverkehr gerissen wurde: Sein junger Eigentümer hatte beim Linksabbiegen ausgerechnet einen Passat übersehen! In Ermangelung von adäquatem Ersatz wich der damalige Architekturstudent auf einen Passat mit Fließheck auf - den er übrigens heute noch besitzt. "Aber nach einem Winter mit diesem Exemplar, einem Trophy-Sondermodell, war mir klar: Es muss wieder ein Santana her", erinnert sich Tilman.

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