Bevor Seat zum VW-Konzern kam, baute man dort Jahrzehnte lang in Lizenz Fiat-Modelle. Wer aber kennt noch die Seat-Eigenentwicklung Bocanegra?
In der Serie "Blech der Woche" stellt die Redaktion von sueddeutsche.de Old- und Youngtimer vor - frei nach den Motti: Alte Liebe rostet nicht, oder: Liebe geht durch den Wagen. Schließlich ist die Beziehung von Mensch und Maschine eine unendliche Geschichte voller Leidenschaften.
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Bocanegra heißt übersetzt: "Schwarzer Mund". Diese Bezeichnung trägt das Seat Coupé aufgrund seiner schwarzen Kunststofffront. (© Foto: Carsablanca)
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Ein solches Auto in Deutschland zu besitzen und mit Begeisterung zu fahren, lässt vermuten, dass auch der Eigentümer von der iberischen Halbinsel stammt. Genauso ist es: José Vicente Remon Honrubia (den wir hier der Einfachheit halber José nennen wollen; Carsablanca-Mitgliedsname JO53) ist gebürtiger Spanier, doch inzwischen seit längerem in Niedersachsen ansässig. Im deutschen Norden steht er in den Diensten der Automobilindustrie. Wie so viele andere Menschen in diesem Berufsumfeld auch hat José einen gehörigen Schuss Benzin im Blut und fachsimpelt gern mit seinen Kollegen. Die teilen sein Interesse, auch wenn sie aus anderen Ländern stammen.
"Eines Tages habe ich mit einem britischen Kollegen über die Vorzüge und Nachteile der Fahrzeuge aus unseren jeweiligen Heimatländern diskutiert", berichtet José. "Das war so ähnlich, wie wenn Jungs Autoquartett spielen. Ich war dabei, etwas ins Hintertreffen zu geraten. Bis ich begann, vom Seat Bocanegra zu berichten." Den kannte der Brite gar nicht, also musste das Internet als Wissensspender herhalten. "Danach hat mich selbst der Gedanke an das Auto nicht mehr los gelassen", gibt José zu. Was als Spielerei unter Männern begann, entwickelte sich bei ihm zur Obsession.
Doch in Deutschland war ein solches Fahrzeug nicht aufzutreiben. Zwar hatte der Importeur Walter Hagen von 1977 an das zweitürige Coupé nach Deutschland gebracht, aber die wenigen verkauften Stücke sind mittlerweile alle verschwunden. Viele werden es ohnehin nicht gewesen sein, denn bereits zwei Jahre später wurde das Modell eingestellt, ohne einen Nachfolger zu bekommen. Dabei handelte es sich um die erste Eigenentwicklung der spanischen Autobauer, die bis dahin den Vorgaben Fiats immer bedingungslos gefolgt waren. Auf Fiatteilen basierte auch der Bocanegra, der eine Kombination aus dem Fahrgestell des 127 mit den Motoren der 124er-Reihe und einer eigenständigen Karosserie war.
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