Blech der Woche (10): Rolls Royce Silver Cloud III SJR, 1965 Adel verpflichtet

Durch die Oldtimer-Brille betrachtet ist ein Rolls Royce Silver Cloud III ein ganz besonderes Schätzen, vor allem wenn er eine seltene Sonderkarosserie trägt. Doch Graf von Hertzberg hat eine eher andere Sicht der Dinge.

Graf von Hertzberg beliebt tief zu stapeln. Sehr tief. Sein Auto, so der Graf, sei eigentlich nichts anderes als ein NSU Prinz. "Ein Nutzobjekt" - gebaut, um von A nach B zu gelangen, trockenen Fußes und schneller als auf zwei Beinen. Dabei mag der Wagen vielleicht ein wenig größer sein, als die Modelle von Opel oder VW, bequemer als der Ford Modell T "Tin Lizzy French Tourer", der ebenfalls in seiner Garage steht, "aber mit vier Rädern, die auch nur bis zum Boden reichen, wie bei jedem anderen Wagen auch". Tatsächlich ist der Rolls Royce Silver Cloud III SJR 555 Continental James Young von 1965 nicht wie ein NSU Prinz. Er ist nicht wie irgendein anderes Auto. Und an sich ist "Auto" auch schon zu tief gestapelt.

Blech der Woche (10): Rolls Royce Silver Cloud III SJR, 1965

Wurde nur drei Mal gebaut: der Rolls Royce Silver Cloud III SJR mit verlängertem Radstand.

(Foto: Foto: Carsablanca)

Ein Rolls-Royce mit der Leistungsangabe: "Ausreichend"

"Wenn man damit unterwegs ist, dann ist es wie im Wohnzimmer zu sitzen. Man steigt ein und vollkommen entspannt wieder aus. Man fährt auch nicht, sondern gleitet von hier nach dort", sagt Martin Siegfried Graf von Hertzberg (Graf-von-Hertzberg), und schon das erzählt er mit erkennbarem Unbehagen, weil man eigentlich nicht darüber redet. Wer einen Rolls Royce und nicht NSU fährt, der weiß das zwar, aber sagt es nicht.

Der Wagen, so britisch wie die Kronjuwelen, erlaubt nicht viele Worte. Das ist Understatement at its best. Wie vier Asse auf der Hand, die man kennt und nicht ausspielt. Selbstbewusste Zurückhaltung, die schon der Fahrzeugschein der alten Rolls-Royce-Modelle seinen Besitzern verordnete, weil es unter dem Punkt Leistung keinen Eintrag gab. Wer nach den Pferdestärken fragte, bekam bis in die 70er Jahre von Rolls Royce nur zur Antwort: "Genügend." Auch beim Rolls Royce Silver Cloud III von Graf von Hertzberg gibt allein der Hubraum einen Anhaltspunkt von der mutmaßlichen Kraft unter der Haube: 6,23 Liter.

Graf von Hertzberg lebt die Rolls Royce-Etikette: "Es kommt bei dem Wagen ja nun auch wirklich nicht auf die Leistung an" sagt er. "Es geht nicht darum, auf der Autobahn Geschwindigkeitsrekorde zu brechen oder an der Ampel der Erste zu sein, der bei Grün weg ist." Vollkommen undenkbar für einen Rolls Royce. Stattdessen gleitet der Wagen ganz selbstverständlich über die Straße, niemals, um zu drängeln und aufzuhalten, fast könnte man meinen, so unauffällig wie möglich.