Zuverlässiger und bequemer als mit einem Mercedes 230 Coupé lässt sich kaum gleiten - besser könne man mit der Liebhaberei alter Autos also nicht beginnen, meint Martin Rasch über seinen ersten Oldtimer.
Wie mag er wohl sein, dieser Mann mit dem alten Coupé? Mit seinem Mercedes W123 (so der Werkscode), "marineblau, blitzend poliert und mit Chromleisten", wie er am Telefon angekündigt hatte? Unweigerlich schweift die Vorstellung in eine andere Zeit, an den Anfang der 80er Jahre, als Robert Wagner am Steuer eines eleganten 380 SL mit selbstbewusstem Zahnpasta-Lächeln durch 110 Folgen "Hart aber Herzlich" brauste. Und als in Deutschland schulterlang gelockte Zuhälter mit hochgekrämpelten Hemdärmeln und Goldkettchen durch die Seitenstraßen der Rotlichtviertel kurvten und dem 230er den Spottnamen "Luden-Schleuder" einfuhren.
Was das Coupé so liebenswert mache, sei sein Erscheinungsbild: Von außen Understatement, innen einfach bequem - meint sein Eigentümer. (© Foto: Carsablanca)
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Stilvolle Seitenlinie
Doch dann surrt ein blaues Auto um die Ecke, ganz ohne Protz sondern geradezu unauffällig, und gleitet in die nächste Parklücke. "Sehen Sie", sagt Martin Rasch (Rasch) beim Aussteigen, "der Wagen ist ganz einfach. Hätte er nicht knapp 30 Jahre auf dem Buckel, würde ihn niemand wahrnehmen."
So aber nimmt man ihn wahr. Ein Auto aus dem Jahr 1979, das in seiner Form erst gar nicht gegen die Coupés aus heutiger Zeit antreten will, an dem schon der spitze Kühlergrill und der geschwungene Chromstoßfänger klar machen, dass man damals in Stuttgart noch für die Ewigkeit baute. Ein Wagen, von dessen Seitenlinie Liebhaber sagen, sie sei besonders stilvoll. Und über die Kritiker behaupten, der Designer habe sich zwischen eckig und rund schlichtweg nicht entscheiden können.
Man nimmt den 230er von Martin Rasch aber vor allem wahr, weil der Mittzwanziger nicht ins Klischee passt. Weil er nichts gemein hat mit einem Robert Wagner im Maßanzug und nichts mit einem Waikikihemd-Träger, weil man sich nicht einmal vorstellen könnte, dass dieser Mann ein gehäkeltes Klorollen-Häubchen auf der Hutablage drapieren würde.
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"Ok, ein W123 Coupe ist wirklich ein extrem schönes Auto, das kann einem schon mal die SInne vernerbeln."
Geschmackssache. Ich finde den 123 nur bieder (hatte allerdings immer nur Limo Diesel)
"Für die Ansammlung an Unsinn in diesem Artikel ist es trotzdem keine Entschuldigung."
Hier kann ich voll und ganz zustimmen.
"Ein 230C in wirklich gutem Zustand dürfte nicht unter 10.000 zu haben zu sein."
Was ist "gut"? 1+ mit original 1200km? Dann könnte es durchaus sein. Ansonsten will das Coupe normalerweise niemand.
"Einen Opel Monza aus der selben Zeit und mit ähnlicher Motorisierung gibts für die Hälfte."
Das könnte ja nur der unselige 2.0E sein...die dürften extrem selten sein. Will aber auch niemand bzw. nur zum schlachten;-)
bei einem guten 3.0E der ersten Serie ohne Rost sieht das gaaaanz anders aus. Aber richtig teuer sind die nicht.
Ansonsten hat mich die 123-reihe von der Mär geheilt, Daimler baue solide Autos. Gevatter Rost alleine hat schon dafür gesort, dass nicht allzuviele überlebt haben, insbesonders Coupes und Kombis. Positiv allerdings ist die Teilesituation, von der Besitzer anderer Fabrikate nur träumen können...
DW
Ok, ein W123 Coupe ist wirklich ein extrem schönes Auto, das kann einem schon mal die SInne vernerbeln.Für die Ansammlung an Unsinn in diesem Artikel ist es trotzdem keine Entschuldigung.
Ein W123 soll nicht begehrt sein? Die Baureihe ist seit Jahren der Klassiker unter den Youngtimern und EXTREM begehrt, insbesondere Coupés und Kombis erzielen inzwischen oft Mondpreise. Ein 230C in wirklich gutem Zustand dürfte nicht unter 10.000 zu haben zu sein. Einen Opel Monza aus der selben Zeit und mit ähnlicher Motorisierung gibts für die Hälfte.
Diese Beliebtheit ist auch der Grund, warum die Klischees von Ludenschleuder (galt das nicht sowieso eher für die größeren Coupes der W107er Reihe?) und Rentnerfahrzeug nicht mehr so ganz zutreffend sind. Vielmehr ist der hier gezeigte Besitzer der typische 230C Fahrer des Jahres 2008: autobegeistert, und ungefähr so alt wie sein Auto +/- 5-10 Jahre.
Das Rentnerfahrzeug aus Erstbesitz mit kaum Rost ist zwar eine nette Schrauberlegende (so wie der Scheunenfund), dürfte aber bei einem 230C die seltene Ausnahme sein. Insbesondere die erste Serie des W123, zu der alle 230C gehören ist extrem rostanfällig. Deswegen glaube ich, das die "paar Kleinigkeiten" an Schwellern, Holmen und Radläufen wohl eher eine Komplettrestaurierung war, die jeden, der nicht KfZ-Meister mit eigener Werkstatt ist vor größere Probleme gestellt hätte.
Wenigstens entschädigen die wirklich schönen Bilder für den Unsinn im Text.