Blech der Woche (4): Jensen C-V8, 1956 Der Bulle im Smoking
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Schon als Kind erlag Jens Jansen dem Reiz des Jensen-Automobils: geballte Ami-V8-Power, in feinen, englischen Zwirn gekleidet. Mit seinem Jensen CV 8 hat er sich einen Traum erfüllt.
In der Serie "Blech der Woche" stellt die Redaktion von sueddeutsche.de Old- und Youngtimer vor - frei nach den Motti: Alte Liebe rostet nicht, oder: Liebe geht durch den Wagen. Schließlich ist die Beziehung von Mensch und Maschine eine unendliche Geschichte voller Leidenschaften.
Kindheitstraum: Schon beim Quartettspielen wollte Jansen immer Jensen fahren.
(Foto: Foto: Carsablanca)Der Traum vom tollen Auto entstand, wo Jungenträume eben entstehen, zwischen Lego-Männchen und Ritterburg. Im Kinderzimmer, da, wo Jens Jansen und seine Kumpels häufig zusammensaßen, jeder mit einem Stapel Quartett-Karten vor sich und voller Spannung auf die beste Karte der nächsten Runde. "Mit dem Jensen Interceptor hatte man eigentlich immer gewonnen: Der 7,2 Liter-Motor machte das Auto in PS, Hubraum und Geschwindigkeit gegenüber allen anderen Wagen im Spiel einfach unschlagbar", sagt Jansen. "Damals stand für mich fest: Den musste ich unbedingt irgendwann einmal haben." Doch als der Interceptor zwischen 1966 und 1976 knapp 7000 Mal verkauft wurde, durfte der 1963 geborene Münchener gerade mal ein Fahrrad lenken.
Seltenheit übertrumpft Spurtstärke
Inzwischen sind mehr als 30 Jahre vergangen, und Jansen fährt den Wagen immer noch nicht. Er will ihn auch gar nicht mehr. Denn das, was jetzt in seiner Garage steht, kann selbst der Interceptor nicht trumpfen: Statt des mächtigen Serienwagens fährt Jens Jansen jetzt ein noch älteres Modell. Einen Jensen C-V8. Und der ist vor allem eine Rarität, was für den 45-jährigen heute viel mehr zählt als die Leistungswerte des Interceptors vor 35 Jahren. "Vom C-V8 Wagen wurden zwischen 1962 und 1966 nur 499 Stück gebaut. Mittlerweile fahren in Deutschland noch zwölf oder 13 davon herum", sagt er. Sein Modell MK III, die letzte von drei Baureihen, fuhr nur in 181 Exemplaren aus der britischen Manufaktur.
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Und auch der Wagen gleich nebenan in Jansens Fuhrpark ist kein Vehikel von Wald und Wiese. Und das liegt nicht nur daran, dass der Jensen 541 S von 1961 als das erste in Serie produzierte Auto mit Vier-Scheiben-Bremsen gilt (noch bevor Jaguar seine Modelle mit der neuen Technik ausstattete, gönnte Jensen seinen Fahrzeugen diese Technik).
Nein, völlig abgesehen von solchen technischen Spitzfindigkeiten ist auch auch dieses Fahrzeug einfach ein seltener Vogel. Gerade 540 Exemplare bauten die Brüder Alan und Richard Jensen in der Grundversion, 541 Delux-, der 541 R- und 541 S-Variante zwischen 1955 und 1962. Das lag schon damals vor allem am Preis: Jensen waren teuer, fuhren in einer Klasse mit Aston Martin oder Bristol und richteten sich an eine kleine, aber zahlungskräftige Käuferschicht. Der MG-B, das dritte Auto in Jansens Oldie-Reihe, ist da schon bürgerlicher. Mit mehr als 500.000 Exemplaren gilt er noch heute als der meistverkaufte britische Roadster. "Der MG ist solide und das perfekte Auto, um in die Oldtimerei einzusteigen", sagt er.
Genial oder grausig - es gibt keine Mitte beim C-V8
Jansen hat diese Erfahrung gemacht. Kurz nach dem Studium kaufte er 1989 den schnittigen Briten Baujahr 1976, der dank Gummi-Stoßfänger für den amerikanischen Markt seit 1974 mit dem Spitznamen "Gummiboot" über die Straßen fuhr.
Ein Auto, das sich damals noch nicht Oldtimer nennen durfte, aber für das es genug Teile gab und das für einen jungen Mann nach der Uni erschwinglich war. "Zu dem Zeitpunkt hatte ich meinen Kindheitstraum vom Jensen Interceptor eigentlich schon wieder vergessen", sagt Jansen. Doch vor ein paar Jahren dann tauchte der Wagen in einer Fernsehsendung auf. Und Jansen erinnerte sich wieder an die Quartett-Siege im Kinderzimmer.