Es gab eine Zeit, da kannte Bernd Ollendorf die Hans Glas GmbH allenfalls dem Namen nach als Hersteller des niedlichen Goggomobils. Heute ist er stolzer Besitzer eines selbst restaurierten Glas 1204 Cabrios.
In der Serie "Blech der Woche" stellt die Redaktion von sueddeutsche.de Old- und Youngtimer vor - frei nach den Motti: Alte Liebe rostet nicht, oder: Liebe geht durch den Wagen. Schließlich ist die Beziehung von Mensch und Maschine eine unendliche Geschichte voller Leidenschaften.
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Vom erbärmlichen Wrack zum wahren Prachtstück: Insgesamt vier Jahre dauerte die Restauration des Glas 1204 Cabrio. (© Foto: Carsablanca)
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Der Baureihe mit der Endnummer 04 von Glas war kein langes Leben beschieden: Im Frühjahr 1962 kamen die ersten Exemplare zu den Händlern und schon Ende 1967 lief auf Entscheidung der BMW-Gewaltigen, die durch eine Übernahme mittlerweile in Dingolfing das Sagen hatten, die Produktion der zweitürigen Mittelklassenlimousine aus. Insgesamt waren etwas mehr als 40.000 Exemplare entstanden. Offenbar wollte man in der bayerischen Landeshauptstadt die Konkurrenz für die eigene 02-Baureihe ausschalten. Allerdings bot Glas mit einer Kombilimousine und einem Cabrio Varianten an, die BMW beim 02 erst mit zum Teil erheblicher Verzögerung auf den Markt bringen konnte.
Bernd Ollendorf (Glasdriver) suchte gezielt nach einem offenen Auto und fand sein 1204 TS Cabrio mithilfe einer Anzeige im Glas-Club-Magazin. Bei dem angebotenen Fahrzeug handelte es sich um eines aus dem letzten Produktionsjahr, das viele Jahre unbewegt herumstand. Der im Frühjahr 1967 ausgelieferte Wagen war 1976 in fahrbereitem Zustand abgestellt worden, hatte aber seitdem offenbar nicht immer ganz trocken gestanden.
Der Zustand des von grün auf rot umlackierten offenen Zweitürers war entsprechend Mitleid erregend - unter anderem ließ sich der Motor nicht mehr drehen. Aber während sich Ollendorfs große Tochter Juliane bei der ersten Begegnung mit Grausen von dem "Schrotthaufen" abwandte, signalisierte seine Frau Michaela Verständnis, hatte sie doch schon andere Projekte ihres vom "rostigsten Hobby der Welt" infizierten Mannes begleitet, darunter einen 1700 GT und einen V8 "Glaserati".
Bernd Ollendorf ging beim Wiederaufbau des maroden Glas systematisch vor. Er demontierte zunächst das zwar verschmutzte, aber im Grunde gut erhaltene Interieur, das welke Verdeck und alle Anbauteile sowie den arbeitsunwilligen Antriebsstrang. Lediglich die Rollfähigkeit des Glas blieb einstweilen erhalten. Dann widmete sich der Hamburger der Karosserie, an der die braune Pest bereits großflächig ihr zerstörerisches Werk verrichtet hatte. Um eine vernünftige Bestandsaufnahme zu ermöglichen, ließ Ollendorf die Rohkarosserie komplett sandstrahlen. Der Anblick der Reste bestärkte seine Erstgeborene in ihrer Meinung vom "Schrotthaufen" - und ihren Vater darin, das seltene Cabrio wieder auferstehen zu lassen, getreu dem Motto: "Jetzt erst recht!"
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