Billiger Ölpreis Billiger Sprit könnte Autoindustrie in große Probleme bringen

Die Preise fallen: Hier eine Saarbrücker Tankstelle im Januar

(Foto: imago/Becker&Bredel)
  • Die billigen Benzin- und Dieselpreise kurbeln den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor an.
  • Die Autohersteller befinden sich deshalb in einem Dilemma, denn 2020 kommen neue CO₂-Grenzwerte. Die heute verkauften Spritschlucker könnten sie daran hindern, diese Grenzen zu erfüllen.
Analyse von Thomas Fromm

Peter Müller gehört zu denen, die nichts dagegen haben, wenn der Sprit billiger wird. Müller ist Geschäftsführer beim Münchner Autohaus Häusler, und er sagt: "Der niedrige Ölpreis macht unheimlich was aus, die Kauflaune ist in der letzten Zeit gestiegen." Ein Liter Super bei 1,20 Euro, Diesel unter einem Euro, dazu die niedrigen Zinsen - Autofahren wird immer billiger. Das animiert zum Kaufen.

Dies spiegelt sich bei den Neuzulassungen wider: Laut Kraftfahrt-Bundesamt stiegen sie im Januar um 3,3 Prozent. Auffällig daran: Unter den 218 365 neu zugelassenen Pkw waren nur 2814 Hybrid-Fahrzeuge, also Autos mit Elektro- und Benzin-Motor. Und noch weniger reine Elektrofahrzeuge: gerade mal 477, ein Rückgang um 27,6 Prozent. Ganz vorne dagegen: Benziner, gefolgt von Diesel-Autos.

Die Manager der Autokonzerne könnten sich also zufrieden zurücklehnen - es sind dies Zeiten, in denen man gut verkauft, vor allem Limousinen und sportliche Geländewagen. Doch anders als die Autohändler müssen die Konzernbosse eine andere Rechnung aufmachen: Nicht wie viele Autos sie verkaufen, ist in Zukunft wichtig, sondern was genau sie verkaufen. Denn große Benziner bringen zwar hohe Gewinne, aber langfristig auch große Probleme.

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"Kein strategischer Vorteil" durch den niedrigen Ölpreis

Die Hersteller sitzen in der Falle. Je mehr große Benziner sie verkaufen, desto schwieriger wird es für sie, die strengen Kohlendioxid-Grenzwerte einzuhalten. "Im niedrigen Ölpreis sehen wir keinen strategischen Vorteil", sagt der BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson, "er kann zwar kurzfristig dazu führen, dass Kunden sich eher für einen Benziner oder einen Diesel als für ein Fahrzeug mit alternativen Antrieben entscheiden. Wir müssen als Autohersteller aber langfristig denken."

Langfristig, das bedeutet: 2020 dürfen Neuwagen in der EU durchschnittlich nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen; danach dürften die Auflagen weiter verschärft werden - bei Verstoß drohen teure Strafen. Deshalb brauchen die Konzerne mehr Hybrid- und Elektroautos in ihren Flotten. "Die aktuell niedrigen Ölpreise ändern nichts an unserer langfristigen Strategie, die Elektromobilität zu forcieren", sagt Audi-Chef Rupert Stadler daher.