Berlin tickt anders: Während anderswo Bürgerinitativen gegen Flughäfen kämpfen, wird es in Berlin ein Volksbegehren geben, um den Stadtflughafen Tempelhof zu erhalten.

Zwei Wochen vor Ablauf der Frist haben die Organisatoren des Volksbegehrens zum Erhalt des Berliner Flughafens Tempelhof ausreichend Unterschriften gesammelt. Bis Mittwoch seien 174.269 Unterschriften abgegeben worden, teilte der Berliner Landesabstimmungsleiter mit. Demnach sind für einen Erfolg des Volksbegehrens die Zustimmung von sieben Prozent der Wahlberechtigten notwendig, das entspricht rund 170.000 Stimmen. Damit ist der Weg für einen Volksentscheid frei.

Bild vergrößern

Fast 175.000 Unterschriften haben die Organisatoren des Volksbegehrens für den Erhalt der Berliner Flughafens Tempelhof gesammelt. (© Foto: AP)

Anzeige

Die Auslegungstellen bleiben nach Angaben des Landesabstimmungsleiters noch bis zum offiziellen Ende des Volksbegehrens am 14. Februar geöffnet. Nach Aussortierung der ungültigen Stimmen werde das endgültige Ergebnis am 23. Februar geprüft.

Er war einst der wichtigste Anflugort für die "Rosinenbomber"

Nach Angaben der Bild wurden allein im Bezirk Tempelhof-Schöneberg bislang 34.963 Unterschriften für den Erhalt des Flughafens abgegeben. "Bei uns gingen mit Abstand die meisten Stimmen ein", sagte Wahlamtsleiter Jens-Peter Eismann dem Blatt.

Die Bürger identifizierten sich stark mit dem Flughafen. Mit Blick auf den Ausbau des Flughafens Schönefeld zum Großflughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) hatte der Berliner Senat die Schließung des Flughafens beschlossen.

Ein Volksbegehren ist eine nur auf Landesebene bestehende Möglichkeit der Bevölkerung, auf den Erlass, die Änderung oder die Aufhebung eines Gesetzes einzuwirken. Folgt das Parlament einem erfolgreichen Begehren nicht, wird in einem Volksentscheid über das Anliegen entschieden. Damit dieser mit einem Erfolg für die Initiatoren endet, muss mindestens ein Viertel der Wahlberechtigten zustimmen. Das entspricht in Berlin etwa 610.000 Wählern.

Tempelhof nahm als erster Verkehrsflughafen der Welt im April 1926 den Linienverkehr auf. Während der Blockade West-Berlins nach dem zweiten Weltkrieg war er wichtigster Anflugsort der berühmten amerikanischen "Rosinenbomber".

Leser empfehlen 

(AFP/bica/cag)