Mobilität der Zukunft Autos sind nicht genug

Wollen Autobauer zukunftsfähig sein, müssen sie Mobilitätskonzepte statt Motorkutschen bieten. Das Ziel: Ein maßgeschneidertes Reiseangebot für den Kunden, individuell zusammengestellt aus verschiedenen Transportmitteln.

Von Joachim Becker

Gut hundert Jahre lang war das Auto ein wichtiger Motor des Fortschritts. Doch automobile Epoche wird zunehmend von der digitalen Revolution überlagert: "In der Web-2.0-Welt sind Smartphones und Tablet-PCs die neuen Statussymbole. Für die Kunden von heute - und von morgen - ist die digitale Welt ein ständiger Begleiter. Und das Auto darf hier nicht der Bruch in der Kommunikationskette sein", bekennt Audi-Chef Rupert Stadler. Für die nächste Kundengeneration steht das Auto nicht mehr an erster Stelle der Einkaufsliste. Mehr noch: Das Auto wird zur bloßen Ladestation für elektronische Gimmicks.

Umfrage zu Mobilität "Auto? Brauche ich nicht"

Die Benzinpreise befinden sich auf einem neuen Höchststand. Wirkt sich das auf das Fahrverhalten aus? Bleibt das Auto nun öfter in der Garage stehen, oder können viele gar nicht auf das Auto verzichten? Eine Videoumfrage von Anja Schröger und Anton Porsche.

(Video: Süddeutsche.de, Foto: Sueddeutsche.de)

Wer diese Auto-Aussichten für übertrieben hält, mag sich zwei Zahlen vor Augen führen: Allein im ersten Quartal 2012 wurden 420 Millionen Mobilfunkgeräte verkauft und Milliarden von sogenannten Apps (Kleinprogrammen) aus dem Internet heruntergeladen. "Auch das ist Mobilität!", betonte Dieter Zetsche auf dem Technischen Kongress des Verbands der Automobilindustrie (VDA) in Stuttgart. Der Daimler-Chef lässt keinen Zweifel daran, dass die Kommunikations-Elektronik ein wichtiger Treibstoff für die automobile Zukunft sei. "Besonders jüngeren Kunden können wir künftig kaum noch Autos ohne entsprechende Konnektivität verkaufen."

Wer sich ständig im Internet bewegt, will nicht mehr in isolierten Blechbüchsen durch die Landschaft fahren. Im Gegenteil: Wenn er anhand von Echtzeitdaten aus dem Web realisiert, dass andere Verkehrsmittel in der City schneller und günstiger ans Ziel führen, ist er eher zum Umsteigen bereit. Diesen Zukunftstrend will kein Mobilfunk- oder Mobilitätsanbieter verpassen - auch der Daimler-Konzern nicht. Mit der Mobilitätsplattform "Moovel" haben die Stuttgarter kürzlich einen neuen Service vorgestellt. Moovel bündelt Angebote öffentlicher und privater Mobilitätsanbieter. In der Startphase sind die Informationen allerdings auf den Stuttgarter Raum und die Daten von Mitfahrgelegenheit.de sowie die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) und Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart GmbH (VVS) beschränkt. Ein weiteres Pilotprojekt ist für die zweite Hälfte des Jahres 2012 in Berlin geplant.