Autos mit Wasserschaden Warten statt starten

Hochwasser in Thüringen: Ein Auto in Gera ist fast vollständig vom Wasser überspült.

(Foto: dpa)

Wird ein Fahrzeug überschwemmt, endet das meist in einem Totalschaden. Unter Umständen kann der Wagen wieder funktionieren - aber nur, wenn er nach der Havarie nicht gestartet wird. In vielen Fällen zahlt sogar die Versicherung. Das müssen Sie wissen, wenn Ihr Auto dem Hochwasser zum Opfer gefallen ist.

Von Sascha Gorhau

Autos und Wasser, das ist keine gute Kombination. Denn praktisch alle Fahrzeuge auf unseren Straßen sind für den Asphaltverkehr ausgelegt. Das gilt auch für moderne SUVs - Pseudogeländewagen, die im Grunde meist auch nur für den Straßenbetrieb geeignet sind.

Generell entstehen ernsthafte Schäden am Fahrzeug, wenn der Unterboden vollständig im Wasser steht. "Der Auspuff kann mit Wasser volllaufen, dann gelangen Schlamm und Schmutzpartikel in den Katalysator," sagt Technik-Experte Philip Puls vom TÜV Süd. An der Fahrzeugfront könne der Dreck in den Ansaugtrakt gelangen und einen kapitalen Motorschaden bewirken. "Einmal starten kann noch mehr kaputtmachen, als ohnehin schon am Wagen defekt ist," sagt Puls. Ein havarierter Wagen müsse auf jeden Fall abgeschleppt werden.

Steht das Wasser bis an die Frontscheibe, liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor

Steht das Wasser am Unterboden, dringt das Nass mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in den Innenraum des Fahrzeugs ein. Denn die Dichtungen der Türen sind auf Spritzwasser ausgelegt, nicht aber darauf, dass Fluten von außen in den Wagen drücken. Die Polster und die Teppiche saugen sich voll mit Schmutz und Feuchtigkeit. "Wenn der Innenraum feucht geworden ist, dann muss er erst einmal vollkommen austrocknen, wenn nötig mit einem Luftentfeuchter" sagt Philip Puls. Erst dann könne man den Schmutz beseitigen und die entstandenen unangenehmen Gerüche bekämpfen, beispielsweise mit neutralisierendem Essig. Meist müssen das Profis erledigen. Doch auch sie können die Schäden selten völlig beheben. Der ADAC weist darauf hin, dass in den meisten Fällen Neuteile verbaut werden müssen.

Steht das Auto noch tiefer im Wasser, ist das Schadensrisiko um ein Vielfaches höher. "Stehen die Fluten bis zur Unterkante der Frontscheibe, muss nahezu immer von einem wirtschaftlichen Totalschaden ausgegangen werden, selbst bei relativ neuen, hochpreisigen Autos," heißt es beim ADAC. Der Verkehrsklub weist darauf hin, dass in diesem Fall auch dann "mit massiven Funktionsstörungen" zu rechnen sein wird, wenn der Besitzer den hohen Aufwand einer Instandsetzung in Kauf nehme. Eine realistische Einschätzung der Schäden und der Frage, ob der Wagen noch rettbar sein könnte, liefert ein Sachverständigengutachten eines entsprechenden Fachbetriebs.

Teilkasko deckt Hochwasserschäden - meistens

Nachdem alle Schäden dokumentiert sind, stellt sich die Frage, wer welche Kosten übernimmt. "Schäden, die unmittelbar durch eine Überschwemmung am Auto entstanden sind, zahlt die Teilkaskoversicherung," sagt Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Haftpflichtversicherung deckt keine Flutschäden. Übersteigen die Kosten einer kompletten Wiederherstellung den Wiederbeschaffungswert des Wagens, handelt es sich um einen wirtschaftlichen Totalschaden.

Die Versicherung kann die Zahlung verweigern, wenn der Besitzer grob fahrlässig handelt. Entsteht ein Motorschaden beispielsweise dadurch, dass der Fahrer seinen Wagen mutwillig in eine überflutete Straße steuert, so muss er den Schaden selbst tragen. Auch wer die Anweisungen von Behörden ignoriert und zum Beispiel der Aufforderung zur Räumung eines Parkplatzes nicht nachkommt, riskiert seinen Versicherungsschutz. Durchatmen können dagegen Geschäftsreisende oder Urlauber, denn ihnen erstattet eine Kaskoversicherung eventuell auftretende Schäden: "Wer nicht da ist, kann eben nichts unternehmen," sagt Katrin Rüter de Escobar.