Autoprojekt Bündnispartner für Apples iCar gesucht

Arbeiten BMW bei der nächsten i3-Generation intensiv zusammen? Einiges spricht dafür.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Die deutschen Premiumhersteller Audi, BMW und Daimler sehen Apples möglichen Einstieg in die Autobranche als Chance wie auch als Risiko.
  • Ein enger Austausch zwischen Apple und BMW findet bereits statt. Dabei gibt es zwei Szenarien, wie eine konkrete Zusammenarbeit aussehen könnte.
  • In den Planungen könnte die nächste Generation des Elektroautos i3 eine zentrale Rolle spielen.
Von Georg Kacher

Natürlich ist alles streng geheim. Niemand darf reden, und wer es doch tut, wird belangt, oder gefeuert. Kein Wunder, dass sich das wie ein Phantom durch die Medienlandschaft stromernde iCar von Apple hinter einer Mauer des Schweigens versteckt. Einer Firma, die selbst kleinste Details zu neuen Projekten unter Verschluss hält wie den Zugangscode zu Fort Knox, fallen auf die Frage nach einem projektierten Automobil nur zwei Worte ein: Kein Kommentar.

Doch je dürrer die Dementis, desto mehr Fragen werfen sie auf. Hat das überhaupt Sinn - ein iCar von Apple, ein Bubble Car von Google? Will sich ein Unternehmen, das an Margen von 30 Prozent und mehr gewöhnt ist, mit einer Nettorendite von drei oder fünf Prozent zufrieden geben? Und wer ist die Zielgruppe, wie hoch darf der Preis sein, wie sieht das anvisierte Eigenschaftsprofil aus, welche Kanäle werden Vertrieb und Wartung übernehmen? Und wie soll eine Firma, die außer dem Design so ziemlich jeden Handgriff nach draußen vergibt, ein extrem komplexes Produkt wie ein Auto ohne Partner in den Griff bekommen?

Es geht um die Anzahl der Klicks

Ähnliche Überlegungen haben auch die Chefs der deutschen Premiummarken angestellt. Die Herren Reithofer (BMW), Winterkorn (VW) und Zetsche (Daimler) sehen - so das ausnahmsweise einheitliche Credo - Apple und Google als Risiko, aber auch als Chance. Angst, so der Tenor, hat man keine, doch es gilt auf der Hut zu sein, denn der Kampf um die Vorherrschaft auf der Straße ist ein immer wichtigeres, rasch wachsendes und potenziell hoch profitables Geschäft.

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Dabei geht es nicht in erster Linie um Bedienoberflächen, Endgeräte, das ewige Duell zwischen Android und iPhone oder die stabilste Internetverbindung. Nein, was das Geschäft entscheiden wird, ist die Anzahl der Klicks, mit denen sich der User im Netz die Zeit vertreibt, während er zwischen Wohnung und Arbeit hin- und herpendelt.

Der Kampf hat längst begonnen

Damit dabei nicht die Windschutzscheibe sondern der Bildschirm im Fokus des Fahrers steht, muss sich das Automobil weitgehend autonom bewegen. Obwohl wir diesen Zustand möglicherweise nicht vor 2025 erreichen werden, hat der Kampf um die Aufmerksamkeit (und das Konto) der Automobilisten längst begonnen. Da werden wie im Netz auch im Auto ganz bestimmte Hotels und Gaststätten vorgeschlagen, nur ausgewählte Tankstellen angezeigt, ungefragt mehr oder weniger offene Werbung geschaltet. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis das zunehmend korrupte Infotainment den Ampelstopp neben dem Supermarkt zur Auflistung der aktuellen Sonderangebote missbraucht.

Klar, dass die Autoindustrie diesem Treiben nicht tatenlos zusehen und sich in die Rolle des passiven Hardware-Providers drängen lassen will. Zu gefährlich ist Google, der allwissende Riese, der mit immer neuen Inhalten auftrumpft. Zu gefährlich ist Apple, das mit der Strahlkraft seiner Marke (vom Cashflow ganz zu schweigen) selbst große Namen in den Schatten stellt. Wenn die IT-Fraktion sich durchsetzt und auf den wesentlichen Ebenen die Mobilitätssystemführerschaft für sich reklamieren kann, dann bleibt für Audi, BMW und Mercedes in letzter Konsequenz nur die Spaß- und Prestigeauto-Nische - viel zu wenig, um sich dauerhaft zu refinanzieren.