Autonomes Fahren Ein Bus, der keinen Fahrer braucht

Eine fahrende Kiste namens Olli: So knuffig kann öffentlicher Nahverkehr aussehen.

(Foto: Maurizio Gambarini/dpa)

Gesteuert vom Computer dreht der Minibus Olli erste Runden durch Berlin. Dabei lernt er, so sicher durch den Verkehr zu steuern wie ein Busfahrer - und besser mit den Fahrgästen zu kommunizieren.

Von Benjamin von Brackel

Das Fahrzeug, mit dem das deutsche Nahverkehrssystem revolutioniert werden soll, parkt in einer Berliner Garage. Kastenförmig und mit Rundlichtern wirkt der Bus wie ein Spielzeug. "Olli" hat der US-Autobauer Local Motors den Bus getauft. Ein Fahrzeug, das den öffentlichen Nahverkehr radikal ändern soll, packt man wohl am besten in eine niedliche Hülle.

Einige Bauteile des Gefährts stammen aus einem 3D-Drucker. Es lädt seine Batterien über Induktionsplatten und soll selbständig herumkurven. All das soll den Verkehr sicherer machen, Energie sparen und Staus vermeiden. Und die Zahl der Privatautos mit Verbrenner-Motor dramatisch reduzieren. "Nur so ist autonomes Fahren überhaupt sinnvoll", sagt Andreas Knie, Geschäftsführer des Innovationszentrums Mobilität und gesellschaftlicher Wandel (Innoz), das im Auftrag von Behörden und Unternehmen Mobilitätskonzepte erkundet. Das Innoz gewährt Olli Unterschlupf auf dem Euref-Campus in Schöneberg und erprobt dessen Alltagstauglichkeit; die Deutsche Bahn fördert das Projekt.

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"Wie ein Kind, das laufen lernt"

Von innen wirkt der Bus wie eine Ski-Gondel. Vor einigen Monaten quollen noch Kabel aus Decke und Sitzen; seit Ende November fährt er nun montags bis freitags über den privaten Campus. Fahrgäste warten an Haltestellen, zur Sicherheit ist ein Fahrtbegleiter an Bord. Noch muss Olli üben, Kurven elegant zu nehmen, Radfahrer und Fußgänger früh zu erkennen. "Wie ein Kind, das laufen lernt", sagt Knie. Tatsächlich bekommt der Bus seine Fähigkeiten nicht anprogrammiert: Was ihn schlau macht, ist die Künstliche Intelligenz Watson von IBM. Der Supercomputer ist drahtlos mit Olli vernetzt, die Rechenleistung kommt aus IBMs Datenzentrum in Frankfurt, wo sich in einer Halle die Computer in vielen Gängen aneinanderreihen.

"Watson lernt ständig hinzu", sagt Dirk Wollschläger, der für IBM das weltweite Geschäft mit der Autobranche verantwortet und an der Entwicklung von Olli beteiligt war. Olli, das ist für das IT-Unternehmen auch der Versuch, beim autonomen Fahren mitzumischen. Watson wertet die Daten aus, welche die 30 Sensoren einsammeln, darunter die Kamera, die GPS-Sensoren oder die Laserscanner auf dem Dach. Was Olli abgespeichert hat, gleicht er ständig mit Neuem ab, um Strecken zu lernen. Hindernisse erkennt er unter anderem mit einem Radarscanner. Noch tut er sich allerdings selbst mit Kleinigkeiten schwer - etwa gestrichelten Markierungen.

Olli soll sich mit seinen Fahrgästen unterhalten können

Mit Hilfe von Watson sollen die Fahrgäste künftig auch mit Olli sprechen können - übers Wetter, die Route, das nächste Café. Die sozialen Fähigkeiten eines menschlichen Busfahrers soll Olli haben. Wobei nicht sicher ist, ob die Werbeleute des Herstellers schon mit einem Berliner Busfahrer unterwegs waren. Die Spracherkennung von Watson filtert Schlüsselwörter heraus und sucht im Datenberg im Netz nach ähnlichen Situationen. Das Programm versucht ein Muster und damit eine Logik hinter den Fragen zu erkennen. Am Schluss wandelt es seine Erkenntnisse wieder in Sprache um.

Sätze wie "Lassen Sie mich hier raus", oder "Sind wir bald da?" sind kein Problem für den Computer. Auch mit anspruchsvolleren Fragen wie "Wo kriege ich hier was zu essen?" kann er umgehen. Schwieriger ist es, die einzelnen Fahrgäste auseinanderzuhalten. Will jemand zum Beispiel früher aussteigen, muss der Computer den alten Routenwunsch löschen. Olli selbst soll auch sprechen, wobei noch nicht ganz klar ist ob mit Männer- oder Frauenstimme.