Autonome Fahrzeuge Ohne Mensch fährt der Computer schlecht

Googles Prototyp eines selbstfahrenden Autos

(Foto: AFP)

Neue Datenanalyse: In autonom fahrenden Autos müssen Menschen oft Unfälle verhindern. Deutlich wird aber auch, wie weit Google deutschen Herstellern voraus ist.

Von Christoph Behrens

Der Wettstreit zur Abschaffung der Autofahrer ist in Kalifornien in vollem Gange. Seit September 2014 dürfen Hersteller auf den Straßen des US-Bundesstaats Fahrzeuge testen, die nicht mehr von einem Menschen gesteuert werden. Eine Software übernimmt Gaspedal, Bremse und Lenkrad, ein Mensch sitzt nur daneben und wacht über den Ablauf.

Eine Auswertung der kalifornischen Straßenverkehrsbehörde DMV zeigt nun, dass der Mensch auf der Straße bislang unverzichtbar ist. 341 Mal mussten die Testfahrer allein in Googles autonomen Fahrzeugen das Steuer übernehmen, wie der Konzern der DMV mitteilte. In 13 Fällen sei mit dem Eingreifen des Menschen ein Unfall verhindert worden, 272 Mal versagten laut Google Sensoren oder die Software. In den restlichen Situationen hätte das Fahrzeug ohne Hilfe wohl Verkehrsregeln missachtet.

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Deutsche Hersteller fahren hinterher

Zugleich offenbart die Statistik, wie weit Google beim autonomen Fahren der Konkurrenz enteilt ist - zumindest vor der eigenen Haustür. So legte Google mit 680 000 Kilometern in Kalifornien mit Abstand die weiteste Strecke autonom zurück. Der VW-Konzern, der in dem Bundesstaat zwei selbstfahrende Audis testet, kam auf 24 000 autonom gefahrene Kilometer, mit 260 Interventionen aber zugleich auf eine ähnlich hohe Quote an Zwischenfällen wie Google. Mercedes-Benz meldete 2800 Kilometer und 1031 Zwischenfälle. Nissans autonome Fahrzeuge benötigten auf einer Strecke von 2400 Kilometern 106 Mal Unterstützung.

Auch Bosch testet in geringem Ausmaß autonome Systeme auf Kaliforniens Straßen. Zwar griff dabei 625 Mal ein Mensch ein, allerdings jedes Mal für einen geplanten Test der Technologie, sonstige Zwischenfälle gab es nicht. Tesla verzeichnete keinen einzigen Zwischenfall, wies allerdings auch die Gesamtstrecke nicht aus.

Zunächst hatte sich Google gegen die Vorgabe der Behörden verwehrt, die Daten offenzulegen. Nun lässt der Konzern in seinem Bericht im Vergleich zur Konkurrenz am tiefsten blicken. So hätten Googles Fahrzeuge acht Mal einen Crash selbst verschuldet, wenn der Fahrer nicht reagiert hätte. Drei Mal erzwang der rücksichtlose Fahrstil anderer Verkehrsteilnehmer eine Intervention. 272 Mal erkannte die Software selbst, dass sie mit einer Situation überfordert war und rief um humane Unterstützung. Dass Google mittlerweile mit offeneren Karten spielt, dürfte mit den Fortschritten in den vergangenen Monaten zu tun haben. So meldete der IT-Konzern zwischen April und November 2015 keinen einzigen sicherheitsrelevanten Vorgang mehr, obwohl die Autos weitere Strecken fuhren als zuvor.

Insgesamt neun Mal waren Googles Fahrzeuge seit September 2014 tatsächlich in einen Unfall verwickelt. In jedem der Fälle hatte der andere Verkehrsteilnehmer die Kollision verschuldet. In Nevada, Michigan und Florida ist es mittlerweile ebenfalls gestattet, unter bestimmten Bedingungen autonome Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen zu testen.

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