Automesse Protz und Power in Detroit

In den USA kann ein Truck nicht groß genug sein. Neben der Motorhaube des neuen Chevrolet Silverado sehen in Detroit die Fotografen verschwindend klein aus.

(Foto: AFP)
  • Auf der Detroit Motor Show zeigen vor allem die amerikanischen Hersteller ihre Autoneuheiten. Die sind in diesem Jahr mal wieder vor allem groß und schwer.
  • Die SUVs und Trucks sind verantwortlich für einen Autoboom in USA. Die fünf meistverkauften Modelle sind aus diesem Segment.
  • Auch Elektroautos haben die Hersteller im Programm, doch die sind bisher nur ein Nischenmarkt.
Von Max Hägler und Kathrin Werner, Detroit

Mannshoch steht der blaue Wagen da, vorne ist ein Schneepflug befestigt, hinten auf der riesigen Pritsche lässt sich gegebenenfalls auch der halbe Hausrat aufladen. Am Eingang der Markthalle in Detroit haben die Manager von General Motors (GM) einen Silverado ihrer Marke Chevrolet hinstellen lassen, so dass er alle Leute gleich wieder hinauszuschieben scheint. Aus den Lautsprechern kommt Musik von Luke Bryan, Country-Musik für Karohemden-Menschen.

Dieses Auto sei das wichtigste von Chevy, sagt Alan Batey, Präsident von GM Nordamerika bei dieser Party am Vorabend der wichtigsten US-Automesse. Es ist in diversen Ausführungen zu haben - für Stadt, Land und Hinterland - und die "Männlichkeit" sei deutlicher herausgearbeitet worden. Darum geht es bei allen US-Autos in diesem Jahr: Größe und Stärke. Wahrscheinlich geben solche Wagen den Fahrern das Gefühl von Sicherheit - und Umweltschutz ist nicht so wichtig, da der Sprit gerade nur etwa 50 US-Cent je Liter Benzin kostet. Schon jetzt sind die fünf meist verkauften Automodelle in den USA sind Pickups und SUVs, erst auf Platz sechs eine Mittelklasse-Liomousine: der Toyota Camry.

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In Detroit werden auch Ford und RAM, die Marke von FiatChrysler (FCA), ihre neuen großen Pritschenwagen vorstellen. Mit solchen Modellen machen die "Big Three", wie GM, Ford und FCA mit ihren Submarken genannt werden, 90 Milliarden US-Dollar Umsatz. Und ordentlich Gewinn: Mindestens 10 000 US-Dollar verdient der Hersteller bei so einem Vehikel, das auf den europäischen Straßen kaum Platz fände. Bei einem normalen Auto sind es durchschnittlich nur 3000 US-Dollar.

Fast alle erwarten, dass die Nachfrage weiter sinken wird

Ist also die große Finanz- und damit auch Autokrise von 2009 vergessen, als GM und Chrysler in die Pleite rutschten? 10 Millionen Autos verkauften sich damals in den USA, jetzt sind es 17 Millionen. Die Autobranche war seitdem einer der wichtigsten Treiber des Aufschwungs in den USA und schuf Tausende neue Jobs; die triste, totgesagte US-Autohauptstadt Detroit ist wieder ein bisschen erwacht. Doch schon ist der Boom wieder zu Ende gegangen. Die Verkäufe brachen im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent ein. Fast alle Manager erwarten, dass die Nachfrage weiter sinkt; 2018 wohl auf 16,7 Millionen Autos.

Die sollen dafür mit möglichst hoher Marge verkauft werden, also groß und teurer sein, so geht der simple Plan. Zum einen schrumpft der Markt, weil die Menschen ihre während der Rezession aufgeschobenen Autokäufe nachgeholt haben. Außerdem seien die Autos besser geworden, was dazu führt, dass die Leute sie länger fahren, sagt Jessica Caldwell vom Automarktbeobachter Edmunds.com: "Der Markt ist jetzt ziemlich gesättigt." Inzwischen kommen in den USA auf jeden Menschen mit Führerschein 1,26 Autos.

Abgesehen von der zurückgehenden Nachfrage nach neuen Autos verschiebt sich zudem der Marktanteil der Hersteller - zum Nachteil der Arbeiter. Wer bei GM, Ford und FCA arbeitet, ist in Gewerkschaften organisiert, anders als etwa bei Volkswagen und den anderen amerikanischen Fabriken ausländischer Autobauer. Diese sind fast alle in den Südstaaten angesiedelt, wo die mächtige Autogewerkschaft UAW bislang kaum aktiv ist.