Schlaghosen-Alarm! Zum 40-jährigen Geburtstag des BMW 545 geht es auf Spritztour mit dem golfgelben 528. Eine Zeitreise in die wilden Siebziger, als BMW sein Revoluzzer-Image auslebte und trotzdem ganz oben ankam.
"Verehrte gnädige Frau, sehr geehrter BMW Freund!" Im politisch korrekten Unisex-Stil begrüßt die Betriebsanleitung des BMW 528 seine PilotInnen. Schließlich befinden wir in den siebziger Jahren. Vor nicht allzu langer Zeit haben manche Frauen ihre BHs verbrannt, sind in Kommunen gezogen und praktizieren zur Freude der Männerwelt freie Liebe. Doch das starke Geschlecht eiert in den wilden Seventies etwas hilflos zwischen anbiederndem Softie-Getue und lässigem Macho-Gehabe hin und her.
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Auch der erste BMW 5er hat ein bisschen was von beidem. Groß und komfortabel ist er, familientauglich und nicht so hart wie die flotten Renner der 02er-Reihe. Doch unter der Haube ist Freude am Fahren angesagt. Ein Sechszylinder mit 2788 Kubikzentimetern Hubraum und 165 PS freut sich auf seinen Einsatz.
Ab August 1976 stockte BMW die Leistung auf 170 PS auf - doch die Spritzigkeit des 176 PS starken 528i lässt der 528 mit Vergasermotor ein wenig vermissen. Der Wagen aus dem BMW-Museum ist noch dazu mit einem Dreigang-Automatikgetriebe ausgerüstet.
Doch wenn man aufs Gas tritt, schiebt der Reihensechser die 1,4 Tonnen Auto mit Nachdruck an. Jetzt kann man auf der Landstraße den Macho raushängen lassen: Schlaghose und Batik-Hemd sitzen hauteng an, die getönte Sonnenbrille bedeckt gefühlte 80 Prozent des Gesichts. Da fällt es nicht so auf, wenn man den ultrakurzen Rock der jungen Dame auf dem Beifahrersitz mit den Augen abtastet.
Der Sechszylinder brüllt aus Leibeskräften, man muss das Radio lauter drehen, damit das ohrenbetäubende "Michaeeelaaa" von Bata Illic auch voll zur Geltung kommt. Mit Inbrunst legt sich die golfgelbe Limousine in jede Kurve, geht dabei spürbar in die Knie.
Eine reinrassige Sportskanone ist der erste 5er zwar nicht, doch kaum eine Mittelklasselimousine verbindet Reisetauglichkeit so perfekt mit Fahrspaß wie der elegante Wagen aus München. Fast 700.000 Käufer schätzen von 1972 bis 1981 diese Kombination und legen nebenbei den Grundstein dafür, dass sich der 5er in den folgenden Generationen zu einem der beliebtesten Dienstwagen für schnelle Handlungsreisende entwickelt.
BMWs damaliger Designchef Paul Braq hatte dem Wagen klare, fast nüchterne Linien mit auf den Weg gegeben. Die Konkurrenten hießen Mercedes Strich-Achter und Audi 100. Vor allem der Benz konnte den kantig-eleganten Linien des 5er nur ein altbackenes Gelsenkirchener Barock auf Rädern entgegensetzen.
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