Von Sebastian Viehmann

Schon vor 30 Jahren probierte BMW im M 535i die Formel "Familienkutsche plus Mega-Power" - daraus wurde dann ab 1985 der legendäre M5. Warum der frühreife Flitzer uns noch heute begeistert.

Wir schreiben das Jahr 1979. Ein Familienvater schmuggelt unter seiner Jacke ein kleines Heft ins Haus. Auf leisen Sohlen pirscht er sich am Zimmer seiner Tochter vorbei, die gerade einen "Atomkraft? Nein Danke!"-Sticker an die Tür klebt. Bevor ihn seine Frau abfangen und wieder davon schwärmen kann, wie praktisch und sparsam doch dieser neue Passat Diesel sei, schließt sich Papi im Hobbykeller ein und breitet das Heft vor sich aus.

Bild vergrößern

Ein Wolf im Schafspelz: BMW 535i, der Urahn des M5 (© Foto: Pressinform)

Anzeige

Dabei handelt es sich nicht etwa um den neuen Playboy, sondern einen unauffälligen Prospekt zum M 535i, einer "Spezialversion der BMW Motorsport GmbH". Papi liest verzückt über das aus dem Renntriebwerk des M1 entwickelte Kurbelgehäuse, den Leichtmetall-Zylinderkopf, das Fünfgang-Sportgetriebe und das Sperrdifferenzial an der Hinterachse. Doch wie soll er sich im Familienrat dafür rechtfertigen, 43.595 Mark für ein Auto auszugeben - erst recht eines mit 218 PS?

1979 waren die Folgen der Ölkrisen schließlich noch allgegenwärtig, und mit jedem PS-starken Spritvernichter begaben sich die Autohersteller auf rutschiges Parkett. Kein Wunder also, dass BMW den M 535i nicht an die große Glocke hing. Trotzdem trat der Wagen eine Lawine los, die mittlerweile in der vierten Generation rollt. "Der M 535i war der Ideengeber für den M5", sagt Gerhard Richter, ehemaliger Chef der M GmbH. Richter holte 1980 als Fahrwerks-Experte das Know-how der Motorsportabteilung in den BMW-Konzern. Im M 535i kombinierten die Ingenieure einen serienmäßigen 5er mit der stärksten Version des Reihensechszylinders, die eigentlich dem 6er und 7er vorbehalten war.

Wie perfekt diese Kombination funktionierte, kann man noch heute erfahren. Der M 535i aus BMWs Classic-Abteilung ist fast noch jungfräulich, hat kaum mehr als 2000 Kilometer auf dem Tacho. Die Rallye-Streifen in der klassischen M-Farbgebung demonstrieren: Dieser Indianer ist auf dem Kriegspfad. Ein Dreh am Zündschlüssel, und der Sechszylinder schnurrt wie ein Kätzchen. Die linke Hand umgreift das filigrane Dreispeichen-Lenkrad, die rechte liegt auf dem Schalthebel. Der erste Gang der Fünfgangbox liegt genau wie beim Mittelmotor-Sportler BMW M1 links unten.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Mister Frühreif
  2. Freude am fahren früh definiert
Leser empfehlen