Von Sebastian Viehmann

Audi feiert zehn Millionen gebaute A4-Modelle - inklusive des Vorläufers Audi 80. Wie konnte aus einem drögen Opa-mit-Hut-Wagen ein knackiger Porsche-Jäger werden? Zwei Zeitreisen in Audis sportlich-spießige Vergangenheit.

Was für ein langweiliges Auto! "Modern, aber nicht modisch" sagte Audi über den Audi 80, als er 1972 vorgestellt wurde. Das passte. Der eckige Ringträger war ungefähr so sexy wie ein Rundschreiben vom Finanzamt.

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Am Steuer des blassblauen Audi 80 L aus Audis Traditionsabteilung fühlt man sich wie im Youngtimer-Paradies für Spießer. Vinyleiche am Armaturenbrett beleidigt das Auge, man wurschtelt sich durch ein müdes Vierganggetriebe und lässt sich von den wenigen vorhandenen Schaltern anöden.

Immerhin: Leicht und traumhaft übersichtlich ist er, der alte Audi, und gar nicht mal unflott mit seinen 55 Pferdestärken. Auch dass der technisch ausgereifte Wagen in den 70er Jahren ein Verkaufsschlager war, darf man nicht vergessen. Doch man ist trotzdem froh, wenn man aus diesem Gelsenkirchener Barock auf vier Rädern wieder aussteigt.

Dass Volkswagen den Audi 80 als langweilig genug befand, um daraus den ersten Passat zu machen, sagt eigentlich alles über den Wagen aus. Wer wissen will, warum Audi heute als eine der coolsten Automarken verehrt wird, findet den Grund also nicht im A4-Urahn aus den Siebzigern.

Doch man muss nur in die nächste Fahrzeuggeneration umsteigen. Der zweite Klassiker ist schneeweiß, hat ebensolche Felgen, breite Nebelscheinwerfer und einen kleinen Heckspoiler.

Und schon nach ein paar Kilometern hinter dem Steuer des Audi 80 GTE quattro aus dem Jahr 1986 ist man mittendrin in einer Zeit, die für Audi einen epochalen Umbruch bedeutete. Der Vierzylindermotor hat mit seinen 1,8 Litern Hubraum und 110 PS keinerlei Mühe, den 1180 Kilogramm leichten Audi äußerst schwungvoll in Fahrt zu bringen.

Die Straßen durchs Altmühltal sind nass und rutschig, doch genau da ist der Wagen in seinem Element. Dank quattro-Antrieb bleibt der Senior mit ein bisschen Lenkarbeit brav in der Spur, ganz ohne ESP und sonstige elektronische Helferlein.

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