Von Günther Fischer

Dass Autos einst mehr waren als simple Fortbewegungsmittel, bringt eine Ausstellung in München nachdrücklich in Erinnerung.

Kein anderer industriell hergestellter Gegenstand hat das Leben im 20. Jahrhundert derart nachhaltig geprägt wie das Automobil. Und nicht immer nur in technischer, gesellschaftlicher oder wirtschaftlicher Hinsicht, sondern vor allem auch in gestalterischer Hinsicht.

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Der Mercedes-Benz 300 SL von 1954 schrieb als "Flügeltürer" Autogeschichte. (© Foto: Daimler AG)

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Genau deswegen widmet die Pinakothek der Moderne in München dem Thema jetzt eine Ausstellung - anhand jenes Unternehmens, das wie kein anderes die Geschichte des Automobils geschrieben und definiert hat: Mercedes-Benz. Im Fokus stehen dabei nicht die Großserien-Modelle, sondern die Suche nach dem Vollkommenen, das sich zwangsläufig nur in Unikaten oder Kleinstserien manifestieren konnte. Autos aber, die trotzdem Maßstäbe für viele andere setzten. Mit extrem seltenen Beispielen - überraschend in ihrer radikalen Haltung - konzentriert sich die Auswahl auf Aerodynamik, Rasanz und den Gestaltungsprozess.

Zu sehen sind also Automobile, die einst schon von weitem neugierig machten und heute immer noch überraschen - so sehr beeindrucken sie mit ihrem konsequenten Stilwillen, mit ihrem Mut, andere Wege zu suchen und auch zu befahren.

1909, als der italienische Künstler Marinetti in seinem Futuristischen Manifest das Automobil als ästhetisches Objekt glorifiziert, entsteht zum Beispiel der Blitzen-Benz, der als erstes Fahrzeug die magische 200-km/h-Marke durchbricht. Die strömungsgünstige Karosserie zeigt eine für damalige Verhältnisse utopische Anmutung. Der auch "Lightning Benz" genannte Rennwagen ist doppelt so schnell wie ein Flugzeug der damaligen Zeit. Der Autobahnkurier von 1938 wiederum mit seiner Stromlinienkarosserie, nur zweimal gebaut, wird zum Inbegriff der Modernität auf Rädern und Symbol für das Überwinden weiter Distanzen bei hohem Tempo und größtem Komfort.

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