Jurassic Cars und keine Zukunft: eine ganz persönliche Abrechnung mit dem zeitgenössischen Auto-Design.
Der Autor ist Direktor des Goodbrands Institute for Automotive Culture und Professor am Designinstitut der Fachhochschule Köln.
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Wandel durch Abwendung: War der Fiat Panda einst noch dem Menschen auf den Leib geschnitten, entfernt sich das zeitgenössische Autodesign zunehmend vom humanen Maß. Früher fühlte man Schönheit, heute fühlt man nichts mehr. (© Foto: oh)
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Gut zwanzig Minuten lang habe ich heute morgen mein Auto gesucht. In der Allee, wo noch vierspurig geparkt werden darf - ein Paradies für Bewohner - blühen die Kastanien, was die Erfassung des Ziels vom Fenster aus erschwert. Draußen, auf der Straße, versteckt sich mein Panda. Hinter einer Blechmauer aus A-B-C-Klassen begraben, Denkmäler deutschen Bürgertums.
Der italienische Kleinwagen ist eine Nummer zu klein, denn er ist die letzte Automobil-Tierart, die auf Menschenmaß geschneidert wurde. Es begann 1936 mit dem Topolino, einem Mäuschen, das ein starker Mann heben und in dem ein Paar Platz finden konnte. Dann kamen Käfer und Ente, die die ganze Familie anlächelten und dessen Blech man noch liebevoll streicheln mochte. Selbst den stürmischen Jaguar, gespannt und schlank und fit, liebte man sofort. Von mutigen Frauen wurde er zur Katze domestiziert. Nicht ohne Besorgnis verfolgte man den Straßenkampf zwischen Miura und Mustang, Cobra und Mangusta - respektive Bulle, Pferd, Schlange und Raubtier.
Wie früher Kuh, Esel, Kamel und Hund, betrachtete man Autos eine Zeit lang wie Haustiere. Des Menschen beste Freunde. Der Panda ist das letzte Automobil, das offiziell nach einem Tier genannt wurde, ein wahrhaftig liebenswürdiger Kumpel: drei Meter, vier Liter, fünf Menschen, sechs Fenster, siebenfach verstellbare Sitze. Alles in einer Blechkiste untergebracht. Der Panda, Weltsymbol des World Wildlife Fund. Ein genialer Name, denn auch dieser Art, Automobile zu machen, droht das Aussterben.
Kein Zweifel, Autos sind jetzt solider, bequemer, sicherer, leistungsfähiger, dazu verbrauchs- und emissionsarmer geworden. Der Preis dafür ist der Verlust der Unmittelbarkeit, Autos sind unnötig größer, schwerer, komplexer und unübersichtlicher geworden.
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Trotz Kälte genug Strom
Der Autor spricht mir aus der Seele! Je mehr Bedeutung dem Autodesign in den letzten Jahren zugemessen wurde, desto schlechter ist es geworden.
Ich verstehe allerdings nicht, dass der Autor seine Ausführungen auf das Thema Proportionen beschränkt. Die Proportionen stellen nur einen Aspekt in der Gestaltung dar. Genauso schlimm ist es aber um das Thema Linienführung bestellt. Nur ein Beispiel: Die beiden neuen Modelle Fiat 500 und Ford Ka sind ja technisch baugleich. Der 500er ist sehr stimmig gestaltet (egal wie man zu "Retro" steht), beim Ka wurde jedoch so ziemlich alles falsch gemacht was möglich war und das bei praktisch gleichen Karosserie-Proportionen!
Die Details und Linien bestimmen die Gesamtqualität des Designs fast mehr als die Gesamtproportionen. Beispiele wie die sich momentan ganz groß in Mode befindenden unsäglichen Nebelscheinwerfer-Attrappen aus schwarzem Hartplastik (Opel , Peugeot) oder willkürlich geknickte Fensterlinien und C-Säulen und gewellte Scheinwerferformen (BMW) ließen sich fast endlos fortsetzen.
Nicht beweisbar, aber so wäre das Auto eine Metapher für unsere Gesellschaft. Warum nicht ...
So würde sich der "drahtige Abenteurer" wohl eher ein kantiges, technisches Fahrzeug zulegen, der unentschlossene, durchschnittliche Reihenhausmensch vielleicht eher einen nichtssagenden, neutralen, bulligen und wulstigen Kleinwagen, der eher einem Ei entspricht - denn ein außergewöhnliches "Statement" in Form eines exzentrischen Wagens wäre nicht sein Ding. Vorurteile ... aber vielleicht dennoch nicht so weit weg von der Wirklichkeit.
Je mehr Eier-Autos verlauft werden, desto mehr durchschnittliche Reihenhausmenschen. So die Logik ...
der Sinn ist ganz klar: Kunst ist immer auch ein Spiegel der Zeit und der Gesellschaft. Design ist Kunst die sich nützlich macht, und Auto-Design hat in unserer Gesellschaft mittlerweile die stärkste Präsenz! Und so spiegelt sich im Design eines Autos immer auch die Werte einer Gesellschaft!
Ein Beispiel:
Nehmen Sie den ersten VW Golf ...
Der erste Golf war kantig, wirkte mager, aber doch dynamisch, hatte eine ganz klare Linien, die vorne anfingen wo sie hinten endeten. Seine Seitenlinie wollte nach vorne, aber ohne protzig zu wirken. Beherrschbar, übersichtlich, und doch kraftvoll
Und nehmen wir zum vergleich den Golf 5 (nicht Golf 6)
Keine klare Linienführung mehr im Blech. Linien beginnen irgendwo und enden plötzlich irgendwo, vieles ist angedeutet aber nicht deutlich zu erkennen, er wirkt aufgeblasen, dick, eher schwerfällig (auch wenn er viel mehr PS hat ...)
und was sagt uns das:
früher wahren wir bescheidener, unsere Gesellschaftlichen Strukturen klarer, unsere Leben stetiger, wir wollten nach vorne, aber ohne aufzufallen, wir waren emotional nicht "cool" und daher konnte unser Auto auch aussehen wie ein Gebrauchsgegenstand und nicht wie eine Skulptur, niemand ging 1974 in´s Fitnessstudio ...
heute gibt es keine klaren Strukturen mehr! Weder gesellschaftlich noch, wirtschaftlich, sonst wie. Wir haben viel erreicht, sind aber satt und träge! Wir langweilen uns, sind ja alle so cool und weil wir kaum noch in der Lage sind Emotionen zu zeigen, müssen unsere Autos immer mehr emotional werden, sie müssen aussehen wie Arnold Schwarzenegger in seinen besten Zeiten, damit alle sehen wie toll wir sind ...
...verstanden?
Ich frage mich, welchen Sinn dieser Artikel hat. Ist es eine poetische Abhandlung eines Menschen bezüglich Autos? Soll er etwas zur Designdebatte beitragen? Bringt es der Automobilindustrie etwas?
Macht es Sinn, Heidi Klum (also einen Menschen) und deren Attribute als ernsthafte Referenz für Autors zu gebrauchen?
Wäre eine Altbauwohnung in dieser Logik auch zu groß geraten, da Sie etwa 130% der Zimmerhöhe einer Neubauwohnung aufweist?
Fragen über Fragen. Eine Moral der Geschichte gibt der Autor jedenfalls nicht ...
Als Ergänzung zu meiner Bemerkung von gestern es gab ja auch negative Bewertungen dafür. Ein paar Gründe, warum die statistische Zahl der Verkehrstoten zurückgegangen ist, die mit der passiven Sicherheit von PKWs nicht zu tun haben;
Die Versorgungsdichte mit Rettungswagen und -hubschraubern ist gestiegen, damit ist eine schnellere Erstversorgung gewährleistet.
Die Benachrichtigung erfolgt schneller. Während man früher noch einen Kilometer zur nächsten Notrufsäule lief, haben heute schon drei das Mobiltelefon in der Hand, bevor das Fahrzeug am Baum einschlägt.
Die Erstversorgung ist besser, sowohl in technischer Hinsicht (Ausstattung von Krankenwägen und -häusern) als auch bei der Ausbildung des Rettungspersonals.
Die Unfallchirugie hat sich weiterentwickelt.
Die Verkehrsplaner haben ihre Hausaufgaben gemacht und durch Aus- und Rückbauten, aktive und passive Geschwindigkeitsbegrenzungen, gesteigerte Übersichtlichkeit neuralgischer Punkte, Verkehrsberuhigung u. ä. die Straßen sicherer gemacht.
Die Polizei kontrolliert die Einhaltung der Verkehrsregeln intensiver und mit besseren technischen Mitteln, gerade an unfallträchtigen Stellen.
Intensivere Schulung von Kindern.
Anschnall- und Helmpflicht haben ihren Teil beigetragen, lange vor Airbag & Co.
Die zunehmende statistische Unschärfe: Als Verkehrstoter gilt man nur, wenn man innerhalb einer Frist von 30 Tagen nach dem Unfall stirbt. Wer danach stirbt ist kein Verkehrstoter. Aber gerade diese Langzeitfälle haben Dank besserer Intensivmedizin und Erstversorgung in den vergangenen Jahren stark zugenommen.
Und: Wenn die passive Sicherheit von PKWs allein ursächlich für den Rückgang wäre, hätten die Zahlen unter den Verkehrsteilnehmern ohne Panzer Motorräder, Fahrräder, Fußgänger nicht zurückgehen dürfen. Tun sie aber doch aus den oben genannten Gründen. Und dafür kann die Automobilindustrie wenig bis nichts.
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