Auto und Daten Wlan-Updates für Autos steigern die Gefahr von Datenlecks

Autopilot in der US-Version des Tesla Model S: In Europa hat der amerikanische Hersteller derzeit Ärger wegen dieser Funktion.

(Foto: David Paul Morris/Bloomberg)

Ruckzuck ist der Autopilot installiert: Nach Tesla wollen auch andere Hersteller neue Funktionen per Luftschnittstelle ins Auto bringen. Es droht ein Wettlauf mit den Datendieben.

Von Joachim Becker

Ärger für den Trendsetter: Tesla steht wegen Software-Updates für den Model S im Visier der europäischen Zulassungsbehörden. Als erster Autohersteller ermöglicht die kalifornische Firma kabellose Eingriffe in die Bordelektronik. Dabei geht es nicht nur um eine nachträgliche Fehlerbehebung im Betriebssystem der Luxuslimousine. Wie ein Smartphone kann der Model S per Wlan-Luftschnittstelle auch mit völlig neuartigen Funktionen ausgestattet werden. Das Software-Paket 7.0 enthält seit dem vergangenen Herbst beispielsweise einen Autopiloten. Damit kann der Wagen selbstständig lenken, Gas geben oder bremsen. Doch der Komfortgewinn für den Fahrer ist möglicherweise illegal.

Den Technikexperten der EU-Kommission ist der teilautonome Tesla nicht ganz geheuer: Ob der Autopilot von der ursprünglichen Typzulassung gedeckt ist, wird momentan im Technical Committee on Motor Vehicles in Brüssel diskutiert. Weil Tesla ein Montagewerk im niederländischen Tilburg betreibt, erhielt der Model S seine europäische Zulassung in Holland. Dabei wurden die Kamera hinter der Windschutzscheibe, der Radarsensor in der Front und zwölf Ultraschallsensoren rundum genehmigt. Sie waren ursprünglich für die Abstandsregelung (ACC), die Spurhalteassistenz und als Parkpiepser für das kollisionsfreie Fahren zuständig. Dass der Tesla mit dieser schlanken Sensor-Ausstattung auch teilautonom fahren kann, steht offensichtlich nicht in der ursprünglichen Typzulassung.

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Unterschiedliche Rechtslage in USA und Europa

In den USA kann der Model S nach zweimaligem Blinken sogar selbstständig auf die Überholspur wechseln. In Europa ist die Funktion aufgrund des höheren Autobahntempos in Deutschland von einem aktiven Lenkeingriff des Fahrers abhängig. Selbst bei anderen teilautonomen Funktionen mussten die Kalifornier jüngst zurückrudern: Ein neuerliches Update (7.1) zu Jahresbeginn hat die Benutzung der Autopilotfunktion abseits der Autobahn wieder eingeschränkt.

Grund war der Missbrauch durch Fahrer, die hinter dem Steuer demonstrativ Zeitung lasen. Einige surften auch mit Hilfe des großen Bildschirms im Internet, statt die Hände am Steuer zu halten. In Hongkong musste Tesla den Autopiloten wieder deaktivieren, weil das Feature von den Behörden nicht abgesegnet war. Trotzdem habe das Thema autonomes Fahren "oberste Priorität", schreibt Tesla-Chef Elon Musk in seinem Blog. Unlängst hat er angekündigt, dass Tesla-Kunden nur noch zwei Jahre auf das vollautonome Fahren warten müssten.

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Software-Updates per Luftschnittstelle

Das Interesse an dem eingebauten Chauffeur ist auch bei anderen Marken groß. Die Frage ist nur, wie sicher es ist, solche Fahrzeugfunktionen per Wlan nachträglich aufzuspielen. Fakt ist, dass auch Audi, BMW und Mercedes die Bordnetz-Architekturen ihrer neuen Modelle für solche Nachrüstlösungen vorbereiten.

Software-Updates per Luftschnittstelle sollen zum ganz großen Geschäft in der Autoindustrie werden: Neuentwicklungen lassen sich so innerhalb weniger Tage an Hunderttausende bestehender Kunden verkaufen. Gar nicht zu reden von dem Vorreiter-Image, das mit so einem spektakulären Daten-Tuning verbunden ist. Mit dem Tesla-Update 7.1 lernt der Autopilot beispielsweise das selbstständige Ein- und Ausparken: Aus maximal 40 Metern Abstand kann der Fahrer in den USA seinen Tesla autonom vorfahren lassen. In Europa soll die Summon-Funktion (engl.: herbeirufen) in den nächsten Wochen freigeschaltet werden.