Audi Q8 im Test Schön und teuer, aber müde

Der Audi Q8 ist die Coupé-Variante des Q7. Weniger Platz bietet er nicht.

(Foto: Audi)

Allein der Schlüssel kann beim Audi-SUV-Coupé 400 Einstellungen speichern. Allerdings kann der Motor überhaupt nicht überzeugen.

Von Georg Kacher

Der Diesel-Betrug wirft lange Schatten über Ingolstadt. Das Kraftfahrtbundesamt hat Audi Einzelabnahmen für jede neue Motorvariante auferlegt. Deshalb ist das neue Flaggschiff der Marke anfangs ausschließlich als Q8 50 TDI lieferbar. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich der modifizierte 3,0-Liter-V6-Diesel, der ab sofort 210 kW (286 PS) leistet und mit 600 Nm Drehmoment anschiebt. Zwei weitere Sechszylinder folgen im nächsten Jahr, doch selbst dann fehlen immer noch die S- und RS-Modelle, der Plug-in Hybrid und der konkurrenzlos bullige V8-Diesel. Keine Frage: antriebseitig haben BMW und Mercedes aktuell mehr zu bieten.

Dafür sieht das Coupé-Heck aus allen Perspektiven schnittig aus, der lange Radstand schafft souveräne Proportionen, an den wuchtigen Achteck-Grill hat man uns inzwischen gewöhnt. Große Räder sind allerdings ein Muss, denn nur so kommt der selbstbewusste Auftritt richtig zur Geltung.

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Das Interieur ist ein Paradebeispiel für Schöner Wohnen auf Rädern. Die Armaturentafel wirkt wie eine Skulptur aus Glas, Chrom und Leder; der Platz im Fond lässt sich durch die verstellbaren Einzelsitze weiter vergrößern; Werkstoffe und Verarbeitung erfüllen höchste Ansprüche. Nur das neue Bedienkonzept lässt kein schnelles Wohlgefühl aufkommen, denn die Flut der Funktionen lenkt ab und überfordert. Der einzige Ausweg führt über die stark verbesserte, noch lernfähigere Sprachsteuerung.

Der Einstiegspreis des nackten Q8 liegt bei 76 000 Euro. Ein ähnlich ausgestatteter Q7 kostet gut 10 000 Euro weniger, der Abstand zum identisch motorisierten Q5 beträgt sogar rund 20 000 Euro. Das ist viel Geld für etwas mehr Status, Platz und Luxus, zumal der Q8 auch bei der Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 6,3 Sekunden keinen Vorsprung herausfährt. Audi nennt noch keine Verbrauchswerte, der Testwagen hat sich über 1500 stramm gefahrene Kilometer im Schnitt zehn Liter in die Brennräume gekippt - ein guter Wert.

Bei Vollausstattung sind sechsstellige Preise zu befürchten

Dass Audi die Füllmenge des AdBlue-Tanks im Q8 mit 24 Liter gegenüber dem Q7 glatt verdoppelt hat, ist ein weiteres Indiz für den viel zu spät eingeleiteten Umdenkprozess. Auch der serienmäßige Mild-Hybrid mit dem 48-Volt-Bordnetz verbessert die Effizienz. Lange Segelphasen, eine hohe Rekuperationsleistung und die Stopp-Start-Automatik, die schon bei 22 km/h einsetzt, sollen den Verbrauch um 0,7 Liter senken. Nicht reduziert wurde das Gewicht, das auf Q7-Niveau verharrt. Dafür macht der Q8 im Windkanal Punkte gut.

Verstelldämpfer, Achtgang-Automatik und Allradantrieb sind im Preis enthalten, doch Luftfederung, Hinterradlenkung und der aktive Wankausgleich gehen extra. Das ist schade, denn ohne Luftfederung gibt´s keine Höhenverstellung, ohne Hinterradlenkung keine stoische Richtungsstabilität, ohne Wankausgleich keine ruhig gestellte Karosserie. Bei Vollausstattung sind sechsstellige Preise zu befürchten, doch auch diesbezüglich befindet sich Audi in bester Gesellschaft.