Wasser ist auf der Erde jedenfalls reichlich vorhanden. Um den gebundenen Wasserstoff per Elektrolyse abzuspalten, ist allerdings viel Strom nötig. Auch die Kompression des extrem leichten Gases auf 350 oder 700 bar kostet Energie. Kritiker fürchten daher, dass Wasserstoff genau die Energieprobleme schafft, die er lösen soll.

Honda FCX; Reuters

Honda FCX (© Foto: Reuters)

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"Wirkungsgrad eines Dieselmotors"

Detlef Stolten, Professor für Brennstoffzellen an der RWTH in Aachen, hält ihnen entgegen: "In der gesamten Nutzungsbilanz, von der Wasserstoffherstellung bis zum Rad, ist die Brennstoffzelle mit dem Wirkungsgrad eines Dieselmotors vergleichbar."

Zudem lassen sich Brennstoffzellen mittlerweile 5000 Stunden, also ein Autoleben lang, nutzen - wenn sie richtig gesteuert werden. "Brennstoffzellen und Hochleistungsbatterien verschleißen bei falschem Gebrauch schnell. Man muss das Gesamtsystem optimieren, darin steckt noch erheblicher Entwicklungsbedarf", so Stolten.

Hybridsysteme mit leichten und leistungsstarken Lithium-Ionen-Batterien sind beim Antrieb der Zukunft selbstverständlich. Allein schon, um die Brennstoffzellen auf rund 80 Grad Betriebstemperatur zu bringen. Auch beim Einparken oder Rangieren nutzt der Mercedes F600 lediglich Batteriestrom - dadurch kommt er auf einen Verbrauch von umgerechnet 2,9 Liter Kraftstoff.

Während des Beschleunigens stellen Brennstoffzelle und Batterie zusammen 85 kW (115 PS) Leistung bereit. Beim Bremsen wird der Elektromotor als Generator eingesetzt, um die Batterie wieder aufzuladen. Derartige Hybridkomponenten werden bis 2010 zum Standardprogramm aller Automobilhersteller gehören.

Wo bitte geht's zum Wasserstoff?

Steigende Spritpreise und Luftreinhaltungsgesetze für Metropolen wie Tokio oder Los Angeles ebnen der Brennstoffzelle ebenfalls den Weg. Bleibt ihr letztes und vielleicht größtes Handicap: die Wasserstoff-Infrastruktur.

Sollten alle 50 Millionen Autos in Deutschland mit Wasserstoff fahren, müssten etwa 102 Milliarden Euro in den Aufbau des Tankstellennetzes fließen, hat Aral vorgerechnet.

Eine aktuelle Studie im Auftrag des Gasherstellers Linde zeichnet ein ganz anderes Bild: Ausgehend von urbanen Zentren wird sich das Wasserstoff-Netzwerk nach und nach über Europa ausbreiten. Studienautor David Hart geht in einer ersten Phase von etwa 6,1 Millionen Wasserstoffautos bis 2020 in Europa aus. Dafür wäre ein Netz von etwa 2800 Tankstellen erforderlich. Auf Deutschland bezogen würde die Infrastruktur zur Versorgung von 1,9 Millionen Autos rund 870 Millionen Euro kosten.

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(SZ vom 15. 10. 2005)