Von Joachim Becker

Das World Mobility Forum hat gezeigt, dass die Zukunft alternativer Antriebe nach Zusammenarbeit von Politik und Industrie verlangt.

Krise? - welche Krise? Für George Bush ist die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten vom Öl zwar so etwas wie "Sucht"; vom Sparen aber sagte der US-Präsident vor wenigen Tagen in seiner Rede zur Lage der Nation nichts.

Der H2R genannte Wasserstoff-Prototyp von BMW erreichte 2004 auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Miramas in Frankreich über einen Kilometer eine Spitzengeschwindigkeit von 300,19 Kilometern pro Stunde. Eine Serienfertigung dürfte eher unwahrscheinlich sein. (© Foto: dpa/gms)

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Stattdessen lobte er die Zukunft alternativer Treibstoffe: "Unser Ziel ist es, Ethanol aus Holz und Getreide innerhalb von sechs Jahren zum Einsatz zu bringen." Angesichts des Haushaltsdefizits konnte Bush zwar keine staatlichen Hilfen in Aussicht stellen, dennoch zeigte er sich zuversichtlich, dass "Durchbrüche bei dieser und anderen Technologien helfen, ein großes Ziel zu erreichen: mehr als 75 Prozent unserer Ölimporte aus dem Nahen Osten bis 2025 zu ersetzen."

Von Washington nach Stuttgart. Während Bush die Bedeutung von Biotreibstoffen würdigte, machte Thomas Weber, Entwicklungsvorstand bei DaimlerChrysler, im Rahmen des World Mobility Forums 2006 in Stuttgart eine einfache Rechnung auf: "Würde nur ein Drittel der leichten Nutzfahrzeuge in den USA mit Dieselmotoren betrieben, entspräche die tägliche Kraftstoff-Einsparung bis zu 1,4 Millionen Barrel - jener Menge Rohöl, die die USA täglich aus Saudi Arabien importieren."

Weg vom Öl wollen alle. Aber...

Und: "Der Diesel ist eine zukunftsfähige Technologie, die uns noch viel Freude bereiten wird." Zu Biotreibstoffen äußerte sich Weber verhaltener: Die Technologie zur Kraftstoffgewinnung aus Biomasse sei ausgereift, "was fehlt, ist das Geld, um in die großindustrielle Produktion einzusteigen".

Klar ist: Weg vom Öl wollen alle. Aber auf die Frage, wie sich dann die Mobilität von morgen sichern ließe, fand das Expertenforum keine neuen Antworten.

Im Gegenteil: Dass Mobilität auch weiter zunehmend individuelle Automobilität sein wird, war Konsens unter den 300 Kongressteilnehmern. "Erhalt und bedarfsgerechter Ausbau insbesondere der Straßeninfrastruktur muss zukünftig an erster Stelle stehen - so unpopulär sich das anhören mag", sagte Andreas Renschler in seiner Eröffnungsrede.

Doch die Forderung des Nutzfahrzeugvorstands bei DaimlerChrysler löste ebenso wenig Kontroversen aus wie sein Eintreten für "nutzungsabhängige Finanzierung der Infrastruktur" - sprich: Maut.

Zwei Drittel mehr Lkw-Verkehr

"Glaube keiner, dass er der Debatte über eine Pkw-Maut ausweichen kann", legte der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) unüberhörbar nach.

Maut hin, Verkehrsleit- und Informationssysteme her: Der Platz auf den Straßen wird zunehmend knapper. Denn so schnell wie der Verkehr wächst, können die Fernstraßen gar nicht aus- oder neugebaut werden; dass der Lkw-Verkehr in den nächsten zehn Jahren um 64 Prozent und der Personenverkehr um 20 Prozent zulegen wird, gilt als sicher.

Und Vertreter des öffentlichen Nahverkehrs führen angesichts der Blechlawine nur noch Rückzugsgefechte: "Die Bundesregierung unterstützt den ÖPVN derzeit mit acht Milliarden Euro. Wenn wir davon tatsächlich eine Milliarde Euro einsparen müssen, bricht im Berufsverkehr Chaos aus", warnte Dieter Ludwig, Geschäftsführer des Karlsruher Verkehrsverbunds, während des Kongresses.

Und auch wenn Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster vom "Nahverkehr auf Mercedes-Niveau" träumt: Faktisch wird allein die Aufrechterhaltung des aktuellen Angebots die meisten Kommunen finanziell überfordern.

Otto bleibt vorne

Zentrale Erkenntnis des diesjährigen World Mobility Forums: Die Vormachtstellung des traditionellen Verbrennungsmotors im Individualverkehr ist derzeit nicht zu brechen - daran wird wohl auch ein weiterer Anstieg der Kraftstoffpreise nichts ändern. Die einhellige Begründung: Alle alternativen Antriebsformen sind nach wie vor zu teuer.

"DaimlerChrysler hat bisher eine Milliarde Euro in die Entwicklung der Brennstoffzelle investiert, ohne einen einzigen Euro damit zu verdienen", stellt Jürgen Hubbert nüchtern fest; die gleiche Summe sei mittlerweile, so der ehemalige Mercedes-Chef, in den Hybrid-Antrieb geflossen.

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