Vor dem Jungfernflug des Airbus A400M: Zehntausende Arbeitsplätze und Europas Prestige stehen auf dem Spiel. Ein Scheitern des Projekts kann sich niemand erlauben.
Frankreichs Verteidigungsminister Hervé Morin wäre gern an Bord, wenn der neue Militärtransporter A400M voraussichtlich am Freitag dieser Woche vom Werksflugplatz in Sevilla zu seinem Erstflug startet. Das verriet Morin seinem neuen Freund und Amtskollegen Karl-Theodor zu Guttenberg, als der ihm Mitte November in Paris seinen Antrittsbesuch abstattete. Daraus wird nichts werden - neben der sechsköpfigen Testbesatzung dürfen weder der deutsche noch der französische Verteidigungsminister mitfliegen, wenn der erste Prototyp des Militär-Airbus sich in die Lüfte schwingt.
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Am Freitag soll der neue Militär-Airbus A400M in Sevilla zu seinem Jungfernflug abheben - mehr als drei Jahre zu spät und überschattet vom Streit darüber, wer die zusätzlichen Kosten von sieben Milliarden Euro trägt. Mit dem Großprojekt wollten vor allem Deutschland und Frankreich ihre militärische Unabhängigkeit demonstrieren und zeigen, was die europäische Rüstungsindustrie leisten kann. (© Infografik: SZ)
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Dies wäre der erste sichtbare Erfolg für eines der größten europäischen Rüstungsprojekte. Bisher war es von Pleiten, Pech und Pannen geprägt. Im Jahre 2003 bestellten sieben Nationen insgesamt 180 Transportflugzeuge dieses Typs, der bis dahin nur auf dem Reißbrett existierte. Die erste Maschine sollte Ende 2009 ausgeliefert werden. Inzwischen ist der Zeitplan völlig aus den Fugen geraten, ebenso wie der Kostenrahmen von ursprünglich 20 Milliarden Euro.
Je mehr in dem Projektvertrag festgelegte Fristen verstrichen, desto stärker wurden die Streitigkeiten zwischen der eigens gegründeten Herstellerfirma Airbus Military und ihrem Mutterunternehmen, dem deutsch-französischen Rüstungskonzern EADS, einerseits und den Abnehmerstaaten andererseits nach außen getragen. Mal spielte der eine Vertragspartner, mal der andere öffentlich mit dem Gedanken, aus dem Projekt auszusteigen. Wirklich ernst gemeint waren diese Drohgebärden aber nie.
Für die Abnehmerländer kam es vor allem darauf an, ihre Abhängigkeit von amerikanischen Lieferanten zu verringern und Arbeitsplätze in der eigenen Rüstungsindustrie zu sichern. Europaweit sind in dem Programm A400M 40.000 Menschen beschäftigt, davon rund 11.000 in Deutschland. Dass die Bestellernationen niemals wirklich an einen Ausstieg gedacht haben, zeigt sich schon daran, dass es nie eine ernsthafte Alternativplanung gab. Wann immer jemand vorschlug, man könne doch einfach vorhandene Flugzeugmodelle in den USA oder auch in Russland kaufen, kam aus den Verteidigungsministerien der Einwand, keiner dieser Typen werde den ganz speziellen Anforderungen gerecht, die der A400M zu erfüllen habe. Gerade weil es dieses besondere Leistungsprofil gebe, habe man sich ja zu einer Neuentwicklung entschlossen.
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Das ist keine Technophobie, das ist eine gesunde Reaktion auf einen Größenwahn in einer Zeit leerer Kassen. Ein Flugzeug, das den A400M in praktisch allen Leistungsdaten übertrift, gab es schon vor zehn Jahren, die An-70. Wenn man in Deutschland nicht so wahnsinnig eingebilded gewesen wäre, ein Militärtransportflugzeug von einer Firma bauen zu lassen, die von dieser Art Flugzeug keine Ahnung hat, dann hätte die Bundeswehr schon seit Jahren hochwertige Transportflugzeuge. Und billiger wäre das ganze auch gewesen.
Aber nein, jetzt haben wir ein tolles Flugzeug dessen Planung noch aus der Endphase des kalten Kriegs stammt. Ein Flugzeug das den neuen Schützenpanzer Puma nur transportieren kann, wenn man die heutzutage nötige Zusatzpanzerung abbaut.
Meine Idee war, einen Teil der An-70 Maschinen direkt von Antonov zu kaufen und den Rest bei EADS in Lizenz bauen zu lassen. Dann hätte EADS vom Technologietransfer profitiert und die nötige Erfahrung zum Bau eines eigenen Entwurfs sammeln können.
So haben wir Steuerzahler in letzten Jahren zusätzliche Mittel in die überalterte Transall Flotte stecken müssen, Antonovmaschinen für die Versorgung der Truppen in Afghanistan leasen müssen und müssen nun zusätzliche Mittel auf den Tischlegen um diesen überteuerten Supervogel dann irgenwann ab 2012 auch wirklich zu bekommen.
Irgendwie scheinen wie Deutschen eine negative Grundeinstellung zu gewagten Technologieprojekten zu haben.
Wenn ich mich an das Gezeter um die LKW Maut, und den Trans-Rapid erinnere.
Beim Transrapid haben die erbsenzählenden Kleingeister auch ein visionäres Zukunftsprojekt gekippt. So wird Deutschland es schwer haben sich eine Zukunft als Technologieschmiede zu bewahren.
Wenn ich all die Schlagzeilen von der SZ über Airbusprojekte nebeneinander lege, so drängt mir der Eindruck auf, dass die Journalisten der SZ eine tiefe Abneigung gegenüber von Airbus zeigen. Diese ständige negative Berichterstattung ist augenfällig und ich kann nicht verstehen, wie man die europäischen Projekte so klein reden möchte, obwohl doch so viele hochqualifizierte und gut bezahlte Arbeitsplätze damit verbunden sind. Hoffentlich gibt es in Zukunft noch genügend solcher Arbeitsplätze, damit die Beschäftigten sich noch die SZ leisten können.
Ständig ist die Rede von "Pannen", "Pleiten", "Problem- flieger" Aber Sie sollten doch auch wissen, dass noch nie ein neues ehrgeiziges Projekt ohne Verzögerung in Betrieb gegangen ist. Die Manager und Politiker machen doch die Termine aus,die meistens keine Ahnung von Technik und deren Herausforderung haben, genau wie die meisten Journalisten sie haben. Aber schlau daher schreiben.
Ich bin jetzt gespannt, wie man den Erstflug von Boeing 787 Dreamliner feiert, das schon nach dem Rollout einer Attrappe im Juli 2007!!! mehr als zweieinhalb Jahre verzögert ist. Die packt man immer im Samthandschuhen an und bringt deren Probleme höchsten im denen von Airbus in Zusammenhang.
an Rüstungsaufträgen ist aber doch, daß jahre- wenn nicht sogar jahrzehntelang irre viel Geld in die Entwicklung geworfen wird und große Mengen an Mitarbeitern angeheuert werden - wohl wissend, daß vergleichbare Konkurrenzprodukte entweder bereits viel weiter in der Entwicklung oder sogar schon serienreif sind - und zu dem Zeitpunkt, an dem alle wirtschaftlich denkenden Menschen ein Ende der Misere fordern, das Unternehmen mit Hinweis auf die "Verantwortung gegenüber den Arbeitsplätzen" nicht mehr gestoppt werden kann. Und da zudem Vertragsstrafen wegen Nichteinhaltens von Pflichten oder Terminen anscheinend bei solchen Deals häufig nicht vereinbart werden, befinden sich alle Trümpfe in Herstellerhand und ein Weiter-so kann dem Steuerzahler diktiert werden. Ich habe wirklich nichts gegen Eigenentwicklungen Deutschlands oder in der EU - aber das Endprodukt muß sich doch wenigstens im Rahmen der finanziellen und typspezifischen Vorgaben halten. Es ist schon krank: im öffentlichen Raum und im Arbeitsmarkt wird alles nur noch unter wirtschaftlichen Kriterien bewertet, Mitarbeiter werden zu Kostenstellen degradiert, Krankenhäuser oder Kultureinrichtungen werden einfach geschlossen, wenn sich der Betrieb anscheinend nicht lohnt. Aber sobald es um Panzer, Schiffe und Flugzeuge geht, reagiert dieser Staat genauso, als hätten wir Wilhelm Zwo immer noch in Berlin. Traurig!
Im Gegensatz zum A400M fliegt die Konkurrenz aus den USA und der Ukraine aber schon seit Jahr und Tag!
Dabei ist nicht mal sichergestellt, daß die Produktion des A400M überhaupt reibungslos verläuft - siehe A380!
Im übrigen braucht die Bundeswehr auch nach wie vor die von der NATO langzeit-gemieteten Antonow 124, daran ändert der A400M gar nichts.
Das A400M-Projekt war von Anfang an falsch und keine Sypathiebekundungen oder Entschuldigungsversuche können das retten.
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