Von Claudia Fromme

Susa Bobke ist eine von nur fünf Pannenhelferinnen beim ADAC. Sie hat ihre Erlebnisse in einem Buch festgehalten - wir haben sie nun einen Tag begleitet.

Man kann das nur verstehen, wenn man tief in die deutsche Autobesitzerseele blickt. Wir geben unseren Gefährten Namen, streicheln sie mit Polierschwämmen, geben mehr für sie aus als fürs Essen. Wenn wir einen Neuwagen vom Werk abholen, gibt es Sekt und ein Foto. Diese im internationalen Vergleich bemerkenswerte Hingabe ist breit erforscht, und manche Psychologen diagnostizieren hierzulande gar eine erotische Beziehung zwischen Halter und Auto.

ADAC-Frau Bild vergrößern

Nur fünf Frauen arbeiten als Pannenhelferin beim ADAC. Eine von ihnen ist Susa Bobke, hier beim Aufbocken eines Fahrzeugs. Ältere Männer loben Bobke manchmal. Sie sagen: "Ich mag praktisch veranlagte Frauen." Andere fragen einfach nur: "Haben Sie eine Ausbildung?" Über Ihre Erfahrungen hat sie jetzt auch ein Buch geschrieben.

Anzeige

Und dann lässt es uns hängen. Damit muss man erst einmal klarkommen.

Susa Bobke, 45, ist Seelenklempnerin am Seitenstreifen. Sie arbeitet als Pannenhelferin beim ADAC, als eine von nur fünf Frauen unter 1700 Gelben Engeln. Seit 1993 macht sie das, und 20.000 Pannen später hat sie ein Buch darüber geschrieben. Es heißt "Männer sind anders. Autos auch" und behandelt die feinen Unterschiede bei den geschundenen Seelen. Es gibt natürlich Menschen, für die ist ein Auto nur eine Blechbüchse, die von A nach B fährt. Wenn sie das aber nicht mehr tut, liegen auch deren Nerven blank.

Es klingelt bei jeder Panne, die Engel Nr. 1121 aus der Zentrale zugewiesen wird. Kryptische Buchstabenfolgen stehen im Display ihres Wagens, der vollgestopft ist mit Batterien, Zündspulen, Kabeln, Seitenschneidern, Ratschen, Sprit, Wagenheber. Ein Kürzel erscheint dabei fast immer: SNA. Springt nicht an.

Ein SNA steht in Immenstadt, Audi A4, drei Jahre, der Besitzer ein Pensionär. Er lässt die Schultern hängen. "Mir ist ganz schlecht", sagt er. Susa Bobke sagt mitfühlend: "Geht es dem Auto schlecht, ist der Mann krank." Der Mann nickt dankbar. Sie blickt unter die Haube, prüft die Batterie, schließt den Computer an. Ohne den geht heute nichts, auch zwischenmenschlich. "Erst wenn die Maschine spricht, ist alles in Ordnung", sagt sie.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt "Und wann kommt der Kollege?"
  2. Reparaturen sind nicht mehr so leicht
  3. Huch! Eine Frau! Kann die das?
Leser empfehlen