Abgase von Schiffen Dicke Seeluft

Schafe grasen auf dem Elbdeich bei Brokdorf, während ein großes Containerschiff auf der Elbe vorbeizieht.

(Foto: dpa)

Katalysatoren und Partikelfilter haben sich bei Pkw längst durchgesetzt, bei Lkw sind sie künftig gar Pflicht. Die meisten Schiffe allerdings dampfen noch immer ohne Rußfilter durch die Weltmeere. Das ruft Umweltschützer auf den Plan.

Von Marlene Weiss

Bei Privatautos haben sie sich längst durchgesetzt, bei neuen Lkws sind sie vom kommenden Jahr an Pflicht - nur bei Schiffen sind sie noch selten: Partikelfilter und Katalysatoren, die einen Teil der klima-, umwelt- und gesundheitsschädlichen Abgase zurückhalten. Das gilt auch für die Schiffe des Bundes: 15 der 16 seit 2003 neu ausgeschriebenen Schiffe des Bundes auf See sind weder mit Stickoxid-Katalysatoren noch mit Dieselruß-Filtern ausgestattet. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor.

Dabei geht es nicht allein darum, dass es auf dem Meer besser riecht: Ein steigender Anteil der Emissionen von Ruß, Feinstaub und Schwefeloxiden im Verkehr geht auf das Konto von Schiffen. Das liegt vor allem daran, dass an Land vielerorts mittlerweile strenge Grenzwerte gelten - während viele Schiffe mit dem schwefelhaltigen Schweröl unterwegs sind, das billiger, aber auch umweltschädigender ist als Schiffsdiesel.

Die Schiffe des Bundes, etwa im Einsatz der Forschung oder des Zolls, fahren zwar mit Diesel mit geringem Schwefelgehalt; in Hoheitsgewässern von EU-Staaten ist Schweröl verboten. Allerdings könnte man hier - bei Schweröl ist das nicht möglich - Rußpartikel und Feinstaub aus den Abgasen filtern. Denn auch diese Partikel tragen zur Klimaerwärmung und ihren Folgen bei; einerseits in der Atmosphäre, andererseits, weil sie das Eis am Nordpol überziehen, weshalb es mehr Wärme absorbiert und schneller schmilzt.

Doch die Partikelfilter sind nicht vorgeschrieben und bleiben im Schiffsverkehr die Ausnahme. Bei den Schiffen des Bundes wurde darauf verzichtet, obwohl die Regierung sie in ihrer Mobilitätsstrategie "mittelfristig" empfiehlt; aber noch lange nicht alle Motorenhersteller bieten solche Filter an. "Die Technik liegt vor", sagt Dietmar Oeliger, Verkehrsexperte vom Naturschutzbund Nabu. "Man hat sich wohl nur nicht intensiv mit den Herstellern zusammengesetzt."

Die Regierung erklärt in ihrer Antwort, künftig das umweltfreundlichere Flüssig-Erdgas als Antrieb voranbringen zu wollen - das würde Filter erübrigen. Valerie Wilms, Sprecherin der Grünen im Bundestag für maritime Politik, begrüßt das. Aber solange Schiffe mit Diesel unterwegs sind, gebe es keinen vernünftigen Grund, auf Partikelfilter zu verzichten: "Die Partikelfilter setzen sich nur deshalb nicht durch, weil sie nicht durch entsprechende gesetzliche Grenzwerte erzwungen werden", sagt Wilms.