22. November 2012 13:32 Warten auf den neuen ICE Schnellzug im Schneckentempo

Schon im Dezember 2011 sollte der neue ICE auf die Gleise kommen. Siemens wollte die Züge nun fertigstellen, hat die Lieferung an die Deutsche Bahn aber erneut verschoben. Bahnkunden sollten auf einen milden Winter hoffen.

Von Sascha Gorhau

Summa summarum zu Problemen bei der Deutschen Bahn Peinlich, peinlich, Siemens!

Ein harter Winter - und das Chaos bei der Deutschen Bahn wäre wieder einmal perfekt. Dieses Mal müsste es allerdings ein anderer Konzern verantworten, wenn zahlreiche Züge ausfallen. Siemens-Chef Peter Löscher muss nun beweisen, dass er tatsächlich ein Spitzenmanager ist.

(Video: Süddeutsche.de, Foto: dapd)

Siemens hat am gestrigen Mittwoch angekündigt, dass sich die Lieferung der neuen ICE-Generation an die Deutsche Bahn "über Anfang Dezember dieses Jahres hinaus" verzögern werde. Laut Siemens seien Probleme mit der Zugsteuerung dafür verantwortlich. Bahn-Technikvorstand Volker Kefer sagte heute in Berlin, der Hersteller Siemens müsse die Software für die Zugsteuerung nun überarbeiten.

Die Bahn hatte bereits am 17. Dezember 2008 bei Siemens die neuen ICE bestellt: 15 Züge des Typs Velaro D im Wert von insgesamt knapp 495 Millionen Euro sollte Siemens fertigen. Der Dezember 2011 wurde damals als Liefertermin festgehalten. Doch Siemens lieferte nicht. Damals machte der Technologiekonzern "Probleme bei einem italienischen Zulieferer" für die Verzögerung verantwortlich, als Wiedergutmachung war ein Gratis-ICE im Wert von knapp 30 Millionen Euro für die Deutsche Bahn im Gespräch. Daraufhin versprach Siemens-Chef Peter Löscher Bahnchef Rüdiger Grube im Beisein von Verkehrsminister Peter Raumsauer (CSU), am Freitag, dem 23. November 2012 eine Zulassung beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) für die Züge zu bekommen.

Jetzt patzt Siemens wieder. "Es tut uns sehr, sehr leid", sagt ein Konzernsprecher. Die Geduld der Bahn allerdings scheint allmählich am Ende. Schon 2011 hatte sich Rüdiger Grube öffentlich über Siemens beschwert, er sei "hochunzufrieden" mit der Lieferqualität. Nun verkündet die Bahn, sie sei "sehr enttäuscht und verärgert", wie ein Konzernsprecher der Nachrichtenagentur dapd sagte.

Zuggäste könnten den Lieferausfall zu spüren bekommen

Doch Leidtragender ist nicht nur die Bahn - vor allem die Zuggäste könnten den Lieferausfall zu spüren bekommen. Denn die versprochenen acht ICE hatte die Bahn als Reserve für den kommenden Winter eingeplant. Auf diese ist sie angewiesen, wenn harte Wetterbedingungen für Zugausfälle sorgen. Dieser Puffer ist nun weggebrochen, das Unternehmen könne seinen Kunden "in diesem Winter wieder keine ausreichende Reserve bieten", wie ein Bahn-Sprecher der dapd sagte. Der neue Winterfahrplan tritt am 9. Dezember in Kraft. Zu diesem Termin hätten auch die neuen Züge genutzt werden sollen.

Siemens erfreut sich indes an den kleinen Dingen. In der gleichen Pressemitteilung verkündet der Konzern, drei Züge "für Schulungszwecke und zur Vorbereitung des Betriebseinsatzes" geliefert zu haben. Einen neuen, verbindlichen Liefertermin für die ICE nennt der Konzern nicht. Die Deutsche Bahn rechnet in frühestens zwei Monaten mit dem Einsatz der neuen Züge. Wenn nichts dazwischenkommt. Bahnkunden sollten auf einen milden Winter mit wenigen Zugausfällen hoffen.