22. Januar 2013 11:04 Verkehrsunfälle mit Übergewichtigen Bauchfett verzögert das Auslösen des Sicherheitsgurts

Autofahrer mit Übergewicht haben bei Unfällen ein höheres Sterberisiko. Der Grund: Fettleibige erleiden laut einer aktuellen Studie häufiger schwere Verletzungen im Brustbereich. Doch nicht nur Übergewicht steigert das Todesrisiko.

Schwer übergewichtige Menschen haben ein deutlich erhöhtes Todesrisiko bei Autounfällen. Zu diesem Schluss kommen zwei Forscher aus den USA in einer am Montag in der Fachzeitschrift Emergency Medicine Journal veröffentlichten Studie. Demnach steigt das Risiko, bei einer Autokollision zu sterben, bei stark übergewichtigen Passagieren um 21 Prozent, bei Fettleibigen um 51 Prozent und bei extrem Fettleibigen sogar um 80 Prozent. Ein möglicher Grund für das erhöhte Risiko könnte sein, dass die Sicherheitsvorkehrungen von Autos für Normalgewichtige konzipiert sind.

Für ihre Untersuchung verglichen Thomas Rice von der University of California in Berkeley und Motao Zhu von der University von West Virginia zunächst Daten von 57.000 Kollisionen, die sich zwischen 1996 und 2008 in den USA ereigneten. Sie begrenzten die Untersuchung anschließend auf Autos von vergleichbarer Größe, Fahrzeugtyp und Airbag-Ausstattung. Außerdem berücksichtigten sie Faktoren wie Alter oder Alkoholkonsum der Unfallopfer. Ausgewertet wurden letztlich 3403 Unfälle, zu deren Fahrern Angaben über Gewicht, Alter und die Verwendung von Sicherheitsgurten vorlagen.

Bauchfett wirkt wie ein Schwamm

Die Akten der Notarztteams ergaben, dass Menschen mit starkem Übergewicht oder Fettleibige - als Grundlage für die Einordnung diente der sogenannte Body-Mass-Index - häufiger Verletzungen im Brustbereich erlitten als Normalgewichtige. Crashtests mit Leichen zeigten, dass bei Passagieren mit starkem Übergewicht das Bauchfett wie eine Art Schwamm wirkt und das Auslösen der Sicherheitsgurte verzögert.

Es sei daher wichtig Autos so zu konzipieren, dass sie Übergewichtige besser schützen, empfehlen die Autoren der Studie. Sie verweisen darauf, dass in den USA mehr als 33 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen stark übergewichtig oder fettleibig sind. Gefährdet sind aber nicht nur stark Übergewichtige: Laut der Studie haben auch Menschen mit Untergewicht bei Autounfällen ein erhöhtes Sterberisiko.

Übergewichtige schnallen sich seltener an

Schon im Mai 2012 hatten Forscher noch einen weiteren Grund dafür ausgemacht, dass Übergewichtige häufiger in Verkehrsunfällen sterben: Häufig schnallen sie sich nicht an. Je dicker der Fahrer, desto seltener spanne er den Gurt um seinen Bauch, haben Notfallmediziner im US-amerikanischen Buffalo herausgefunden.