5. Dezember 2012 11:58 Material Papier Tüftler baut Fahrrad aus Pappe

Die Ehe von Ishar Gafni stand vor dem Aus, weil der 50-jährige Israeli an nichts anderes mehr denken konnte, als ein Fahrrad aus Pappe zu bauen. Inzwischen hat er es geschafft, das Vehikel soll sogar in Serie gehen. Doch was ist, wenn es regnet?

Auf den ersten Blick sieht das Fahrrad aus, als sei es dem Grafikprogramm eines Computers entsprungen: Rahmen, Speichen, Pedale - alles ist weiß und nicht gerade filigran. Nur die Räder sind teilweise aus Gummi, und der Sattel setzt sich durch die braune Farbe vom Rest des Vehikels ab. Darauf sitzt der 50-jährige Ishar Gafni und radelt gemächlich auf den Straßen seiner Heimat bei Hadera, im Zentrum Israels.

Was designtechnisch etwas plump daher kommt, ist reinster Pappkarton. Gafni, von Beruf Entwickler für Produktionstechnik, hat jahrelang daran getüftelt, ein Fahrrad aus diesem Material zu entwickeln. Er selbst ist begeisterter Radfahrer, besitzt mehrere, teure Exemplare aus Karbon. Auf die Idee, ein Rad aus Pappe zu machen, kam er eines Tages beim Einkaufen von Ersatzteilen. "Ich traf einen, der kannte einen, der ein Kanu aus Karton entwickelt hat", erzählt er.

Ein Fahrrad aus Karton, dass eine eine Belastung von bis zu 220 Kilogramm aushält, hat der israelische Tüftler Ishar Gafni entwickelt.

(Foto: dpa)

Gafni konnte an nichts anderes mehr denken. Nachts lag er wach, beim Essen redete er nicht mehr mit seiner Familie. Das ging so lange, bis seine Frau angesichts seiner mentalen Abwesenheit die Ehe in Gefahr sah: "Sie befahl mir, dieses Fahrrad endlich zu entwickeln. Ansonsten werde sie verrückt."

Als Vorbild nahm sich Gafni die japanische Origami-Kunst des Papierfaltens: Aus einem quadratischen Stück Papier entstehen ohne Klebstoff und Schere dreidimensionale Objekte. Doch ohne Maschinen und Werkzeug kommt der 50-jährige Lockenkopf bei der Herstellung seines Papprads nicht zurecht. Damit sägt, locht, presst und biegt er das Material zurecht. Viele Versuche waren nötig, bis das jetzige Modell herauskam: "Es ist stark, langlebig und billig", sagt Gafni stolz.

Das Vehikel, das der 50-jährige Produktdesigner und begeisterter Radfan aus Hadera konstruiert hat, wiegt nur neun Kilogramm.

(Foto: dpa)

In der Herstellung koste das Rad umgerechnet sieben Euro, im Verkauf sollen Käufer nicht mehr als 15 Euro bezahlen. Denn das Rad - es wiegt nur neun Kilogramm - soll tatsächlich in Serie gehen und vor allem armen Menschen als Fortbewegungsmittel dienen. "In Afrika etwa", sagt er. Die soziale Komponente seiner Erfindung ist Gafni und seinem Partner Nimrod Elmisch wichtig. So können sie sich vorstellen, dass es einmal in Behindertenwerkstätten hergestellt wird. Sie suchen dazu Partner in Europa, den USA und Südamerika. "Wir rechnen damit, dass es etwa in einem Jahr produziert wird", sagt Nimrod.

Das Fahrrad aus Karton erregt inzwischen im Internet weltweit Aufmerksamkeit. Vor allem auf Webseiten, die dem Umweltschutz nahestehen, ist die Begeisterung groß. Die Idee sei einfach und brillant, heißt es da. Vielen brennen jedoch zwei Fragen unter den Nägeln: Was passiert mit dem Karton, wenn es regnet? Und was, wenn er Feuer fängt? Dieses Problem sei in der Tat die größte Herausforderung gewesen, sagt der Tüftler. Aber dank eines streng geheimen Lackes biologischer Zusammensetzung überstehe das Rad nun jeden Schauer. Die Testphase mit in Salzwasser getauchten Teilen dauerte sieben Monate. Der unerwartete Nebeneffekt des Lackes: "Er ist auch feuerfest."