| 04.01.2008
13:36 Uhr
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US-Vorwahlen in Iowa
Die Stunde der Hoffnung
Die Siege von Obama und Huckabee geben Hoffnung auf einen Neuanfang in den USA. Die Menschen in Iowa wünschen sich ein gewandeltes Amerika - dabei zählt Inspiration mehr als langjährige politische Kompetenz.
Ein Kommentar von Reymer Klüver
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Dies ist die Stunde der Hoffnung. Der Hoffnung auf einen Neuanfang in Amerika, der Hoffnung auf ein Ende der tiefen Spaltung des Landes in zwei feindselig sich belauernde politische Lager. Die Hoffnung auf ein gewandeltes Amerika - nichts anderes haben die Menschen in Iowa gewählt, als sie am Donnerstagabend in ihren Caucuses, den Wahlversammlungen der beiden großen Parteien, Barack Obama bei den Demokraten und Mike Huckabee bei den Republikanern zu deutlichen Siegen verhalfen.
Es war der Auftakt zu den Vorwahlen, den Primaries in den USA, bei denen die beiden großen Parteien ihre Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen bestimmen. Und wenn das Signal von Iowa auch bei den nun folgenden Vorwahlterminen in New Hampshire, Nevada und South Carolina gehört wird, dann stehen die Zeichen auf Wandel in den USA. Dann könnte die Caucus-Nacht von Iowa tatsächlich ein "entscheidender Moment in der Geschichte Amerikas" werden, wie Barack Obama in der Stunde seines Sieges sagte.
Versprechen auf NeuanfangIn Iowa jedenfalls hat sich in beiden Parteien das Versprechen auf einen Neuanfang in der Politik stärker erwiesen als jeder Verweis auf politische Erfahrung. Inspiration hat mehr Stimmen gebracht als langjährige politische Kompetenz. Der Anschein persönlicher Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit hat gesiegt über die Ausrichtung von Positionen ausschließlich gemäß politischer Opportunität.
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Bildstrecke Impressionen aus Iowa |
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Obama hat Gespür für die Emotionen der Menschen gezeigt, jung und alt, Männer und Frauen. Seine Wähler sind einfach begeistert. Zudem hat ihm seine Botschaft, die Gräben zwischen den politischen Lagern überwinden zu wollen, neue Wählerschichten erschlossen. Nicht nur Demokraten, sondern auch viele sogenannte unabhängige Wähler gingen zu den Caucuses der Demokraten, um ihm ihre Stimme zu geben. Die Wahlbeteiligung bei den Demokraten war so hoch wie noch nie.
Hillary braucht neue StrategieNun kommt es darauf an, ob Obama die Stimmung auch in New Hampshire, wo bereits am kommenden Dienstag gewählt wird, in Stimmen umsetzen kann. Sollte er dort gewinnen und auch in South Carolina, einem Südstaat, gut abschneiden, wird er kaum noch aufzuhalten sein. Sollte er aber in New Hampshire bereits gegen Hillary Clinton verlieren, ist die Gefahr groß, dass seine Wahlkampagne ganz schnell wieder den ungeheuren Schwung verliert, den ihr der Sieg von Iowa gebracht hat.
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Clinton wiederum müsste ihre bisherige Wahlkampfstrategie über den Haufen werfen, will sie ihre Chance bewahren. Erfahrung in der Politik zieht nicht, politischer Wandel ist nun gefragt. Nur: Diese Botschaft hat nun Obama besetzt. Was es schwierig macht für Clinton. Noch am Wahlabend tat sie so, als sei nichts geschehen, als habe sie nicht gerade den Caucus in großem Stil verloren. Das wird nicht gut ankommen bei den Menschen, die Wahrhaftigkeit in der Politik wollen und nicht Kaltschnäuzigkeit.
John Edwards wiederum wird weiterkämpfen. Das machte er noch am Donnerstagabend deutlich. Aber er wird es mehr als schwer haben, gegen die beiden Hauptkonkurrenten im demokratischen Lager zu bestehen. Denn auf die wird sich nun das ganze Interesse konzentrieren - trotz seines zweiten Platzes in Iowa.
Spannende Fragen um HuckabeeAuf Seiten der Republikaner ist Mike Huckabee, der unscheinbare und bescheidene Mann aus der Provinz, innerhalb von Wochen aus dem einstelligen Prozentbereich in Umfragen zum strahlenden Sieger in Iowa aufgestiegen. Das ist ein unglaublicher Erfolg. Und solche Geschichten mögen die Amerikaner, den Aufstieg des common man, des einfachen Mannes, spätestens seit der Demokratisierung der amerikanischen Politik unter Präsident Andrew Jackson. Das war vor fast 200 Jahren.
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Nach oben getragen in Iowa wurde der ehemalige Gouverneur von Arkansas und einstige Baptistenprediger von einer außerordentlich hohen Wahlbeteiligung evangelikaler Christen. Offenbar doppelt so viele machten bei den Caucuses mit wie beim letzten Mal. Das wirft Fragen auf.
Ist er nur Mann der christlichen Rechten? Oder spricht er auch andere Wählerschichten an, jenseits des ländlichen, bibeltreuen Mittleren Westens Amerikas? Kann er in New Hampshire bestehen? New Hampshire ist ein Bundesstaat mit wesentlich säkularer eingestellten Wählern als beispielsweise Iowa oder Arkansas. Wird er da sang- und klanglos untergehen, und wird danach sein Stern rasch verblassen, zumal er bisher kaum Geld in seiner Wahlkampfkasse hat?
Das wiederum hat zweifellos Mitt Romney, der Multimillionär und ehemalige Gouverneur von Massachusetts. Er hatte in Iowa eindeutig auf Sieg gesetzt. Er hat die Erwartungen nicht erfüllt, trotz all der Dollars, die er in den Wahlkampf gesteckt hat. 15 Mal mehr Geld als Huckabee hat er in Iowa ausgegeben. Und am Ende bleibt nur die doch irgendwie beruhigende Erkenntnis: You can’t buy votes – auch in den USA kann man keine Wahlen kaufen.
Bleiben noch zwei Kandidaten bei den Republikanern, die weiter hoffen können: Nicht der Schauspieler Fred Thompson, der mühsam einen dritten Platz in Iowa erreichte. Er wird nicht mehr lange durchhalten. Aber der alte Senator John McCain. Er hat Aufwind bekommen, den dritten Platz in Iowa nur knapp verfehlt und setzt nun auf Sieg in New Hampshire. Und Rudolph Giuliani, New Yorks früherer Bürgermeister, der ganz auf einen Erfolg bei der Vorwahl in Florida Ende Januar und dann bei den Wahlen in den großen Bundesstaaten wie Kalifornien und New York am 5. Februar hofft.
Bis dahin wird das Rennen auf jeden Fall offen bleiben. Und spannend. Auf beiden Seiten.
(sueddeutsche.de/mako)
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