Die Südkoreaner demonstrieren gegen ihren Präsidenten Lee Myung Bak. Nach einer Phase der Apathie sind viele Bürger erwacht - und bewegen sich doch in einer Sackgasse. Von Christoph Neidhart
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Eine Million Menschen sollen am Dienstag in ganz Südkorea Kerzen angezündet haben. Unter ihnen viele Frauen mit Kindern. Vordergründig, weil sie keine Rindfleisch-Importe aus den USA wollen. Im Kern jedoch, damit Präsident Lee Myung Bak sie endlich ernst nehme.
Sie riefen "Demokratie" und sangen ein Lied auf die Verfassung. Viele werden auch am Mittwoch für die "Kerzenlicht-Revolution" wieder auf die Straßen gehen. Sie wollen gehört werden.
Bei den Wahlen im Dezember und April schienen die Südkoreaner erschreckend apathisch zu sein, vor allem die jüngsten Wähler. Ihre Vorgänger-Generation hatte noch für eine liberale Regierung gekämpft. Lee hatte im Wahlkampf klar gesagt, er werde die Wirtschaft mit neokonservativen Methoden ankurbeln.
Die Straße ruft nach Demokratie
Die Südkoreaner wußten, wen sie wählten. Nur hörten die wenigsten genau hin, sie hatten genug von Politik. Und sie verstanden nicht, was dies alles mit ihrem Alltag zu tun hat. Nun ist Südkorea erwacht und empört. Die Straße ruft nach Demokratie.
Dass viele Lee selbst ins Amt gehoben haben, scheint vergessen zu sein. Man will die Wahlentscheidung korrigieren. Gerade demokratisch ist dies nicht. Das gilt auch für die Vergleiche mit dem Sturz der Diktatur vor 21 Jahren, die jetzt gemacht werden.
Trotz seiner populistischen Art scheint Lee Myung Bak kaum in der Lage zu sein, das Vertrauen des Volkes zurückzugewinnen. Eher bringt er die Südkoreaner noch mehr gegen sich auf.
Zurücktreten wird er indes auch nicht. So dürfte Südkoreas Politik in einer Phase, da die Beziehungen zu Nordkorea und den USA neu definiert werden müssten, vorerst gelähmt bleiben. Aus dieser Sackgasse hilft kein Kerzenlicht.
... da gehen die Leute wenigstens noch auf die Straße wenn ihnen was nicht passt.
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