Im neuen italienischen Parlament werden klare Verhältnisse herrschen. Es scheint fast, als könnte Italien ein ganz normales Land werden. Wenn da nicht Berlusconi wäre. Von Stefan Ulrich, Rom
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Wird Italien erneut regieren: Silvio Berlusconi.
Foto: AP
Endlich haben die Italiener an den Wahlurnen für klare Verhältnisse gesorgt. Vorbei sind die Zeiten, da Dutzende Zwergparteien im Parlament saßen, nach Fetzen der Macht haschten und mit anarchischer Lust Regierungen erpressten oder stürzten. Im neuen Abgeordnetenhaus und im Senat werden nur noch fünf, sechs Parteien vertreten sein. Das sind nun die "deutschen Zustände", die sich viele Italiener wünschten. Verschwunden sind die traditionsreichen, selbstbewussten Kommunisten, die Radikalen, die Grünen, und - nach 116 Jahren im Parlament - auch die Sozialisten.
Stattdessen haben sich die Wähler für zwei neue, große Formationen entschieden, die zu echten Volksparteien werden könnten: für das rechte Bündnis "Volk der Freiheit" von Silvio Berlusconi und die linksliberale Demokratische Partei Walter Veltronis. Die erste wird regieren, die zweite opponieren, wie es in modernen Demokratien üblich ist. Veltroni hat seinem Kontrahenten sogar höflich zum Sieg gratuliert und Berlusconi hat dies freundlich angenommen - wann hat es so etwas schon gegeben im Reich der ideologischen Kämpfe? Fast scheint es, als erfüllten sich die Bürger gerade einen alten Traum: Italien könnte ein ganz normales Land werden.
Grafik: SZ
Wenn da nicht Berlusconi wäre. Gegen den Ex-Premier und Regierungschef in spe bestehen all jene Bedenken fort, die im In- und Ausland seit nunmehr 15 Jahren vorgebracht werden. Der Milliardär aus Mailand besitzt bis heute eine Machtfülle auf dem Medienmarkt, die schon für sich genommen demokratiegefährdend ist. Kommt ihm nun erneut die Regierungsmacht zu, wird die Lage noch bedrohlicher.
Der Cavaliere hat längst bewiesen, dass er seine Doppelstellung als Unternehmer und Politiker missbraucht - etwa um Gesetze zu fabrizieren, die sein Medienreich schützen und seine Probleme mit der Justiz lösen. Er führt seine politischen Bewegungen autoritär und selbstherrlich; und er schreckt auch vor Personenkult nicht zurück. "Gut, dass es Silvio gibt", lautet seine neue Parteihymne. Berlusconi soll daran mitgeschrieben haben. Das wäre zum Lachen, wenn es nicht um den Premier einer der größten Demokratien Europas ginge.
Bildstrecke Silvio Berlusconi: Schillernd und umstritten
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derblauebarbar:Man muß sich nicht kleiner machen, als man ist.
Auch nicht in einem Kommentar. Was heißt hier "Völkerpsychologie"? Nichts dergleichen!
Völkerpsycholologie wäre es, zu sagen: "Die Italiener sind so und so." Das sagt aber niemand (der ernst genommen werden möchte.)
Der Autor nimmt nur und zu Recht Bezug auf die Einsichten, wie sie klassischerweise in der Politische-Kultur-Forschung formuliert wurden:
1.Politische Kultur resultiert aus der Verteilung individueller Einstellungen auf politische Objekte.
2.Die Aussagen der politischen Kulturforschung beziehen sich auf Länderaggregate, nicht auf Individuen.
3. Politische Kulturen verkörpern Gebilde, welche die Folge historischer Prozesse und kollektiv ähnlicher individueller Sozialisation ist.
So haben es Almond/Verba in den 50iger Jahren konzeptualisiert. Das analytische Konzept "Politische Kultur" ist bis in die heutige Zeit eines der Schlüsselkonzepte der Politikwissenschaft und u.a. genauso erfolgreich, wie die jeweiligen historischen Kenntnisse des Forschers und die Präzision seiner Fragestellung und Methode.
Und daher kann man (historisch informiert) sehr wohl sagen: Die subjektive Dimension der gesellschaftlichen Grundlage des politischen Systems Italiens ist mehr oder minder geprägt von einer konservativen Grundhaltung, deren ängstliche Note auf bestimmte historische Erfahrungen rückführbar ist.
Völkerpsychologie! Also echt. Man muß sich nicht kleiner machen, als man ist.
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