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14.02.2008    08:17 Uhr Drucken  |  Versenden  |  Kontakt
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Das Obama-Gefühl

Es spricht viel dafür, dass das Bedürfnis nach Veränderung in den USA durch die Wahl eines besonderen Präsidenten symbolisiert werden wird. Und das Obama-Gefühl ist ein stärkeres Argument als die Clinton-Erfahrung - denn es könnte das gespaltene Bush-Amerika wieder einen.

Ein Kommentar von Kurt Kister


Angesichts der US-Geschichte wäre die Präsidentschaft Obamas noch bemerkenswerter als die von Hillary Clinton.
Foto: dpa
 

Es gehört in Demokratien zu den ehernen Gesetzen des Wahlkampfes, dass jeder Kandidat den Wandel, den Wechsel, die Veränderung in den Mittelpunkt seiner Kampagne stellt - es sei denn, er ist bereits Präsident, Premierminister oder Kanzler und bewirbt sich um eine weitere Amtszeit.

Im amerikanischen Vorwahlkampf ist gerade die Allgegenwart der Beschwörung von change, des großen Wandels, sehr schön zu beobachten. John McCain, der als Präsidentschaftskandidat der Republikaner praktisch feststeht, ist politisch und biographisch so weit von George W. Bush entfernt, wie es für einen halbwegs konsensfähigen republikanischen Kandidaten nur möglich ist.

McCain zählt zu der unter Republikanern selten werdenden Spezies der pragmatischen Politiker mit internationaler Erfahrung, die anders als George Bush keine politische Zwiesprache mit Gott halten, bevor sie die Steuern senken oder in ein fremdes Land einmarschieren.

Bei den Vorwahlen im Jahr 2000 wollten Amerikas Konservative John McCain nicht. Heute wissen auch sie, dass nach acht Jahren Bush kein Republikaner mehr eine echte Chance hat. Bush ist der schlechteste Präsident seit langem - innen- und außenpolitisch, in der Wirtschaft. In der Folge der massenmörderischen Anschläge vom 11. September 2001 führte er Amerika auf üble Irrwege. Die Supermacht, hoch verschuldet und am Rande der Rezession, ist in weiten Teilen der Welt verhasst.

Jede Präsidentschaftswahl ist eine gigantische Schlacht, finanziert mit abermillionen Dollar. Ungefähr alle zwanzig Jahre ergibt sich eine ganz besondere Situation, in der sich der normale Wunsch nach Wechsel zu einer Gier nach Veränderung auswächst. Amerikas Wähler wollen dann mit der Herrschaft des Üblichen und der Macht des Bekannten brechen.

In einer solchen Lage gelangen besondere Kandidaten nach oben - Männer (bisher waren es nur Männer), wie man sie zuvor nicht im Weißen Haus hatte: 1960 ein strahlend junger, katholischer Senator; 1980 ein redegewandter Filmheld mit unverrückbaren Prinzipien. John F. Kennedy und Ronald Reagan verkörperten die Veränderung, groß geschrieben. Sie waren CHANGE.

Es spricht viel dafür, dass 2008 wieder so ein Jahr ist, in dem die große Veränderung durch die Wahl eines besonderen Präsidenten symbolisiert werden wird. Und es spricht immer mehr dafür, dass dies ein charismatischer Multikulturalist sein könnte, einer, der keine Parteien und Rassen mehr kennen will, sondern nur noch Amerikaner. Gewiss, noch ist das Rennen offen und wenig ist sicher. Dennoch: Barack Obama hat erstaunlich gute Chancen, der 44. Präsident der Vereinigten Staaten zu werden.

Obama, der schwarze Hawaiianer aus Chicago mit kenianischen Wurzeln väterlicherseits und hugenottischem Blut mütterlicherseits, hat bereits mehr Delegiertenstimmen gesammelt als Hillary Clinton, die Kandidatin der politischen Klasse und des Washingtoner Anti-Bush-Establishments.


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