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07.02.2008    13:39 Uhr Drucken  |  Versenden  |  Kontakt
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Weder Wandel noch Wende

Auch die lange Vorwahl-Nacht konnte nicht klären, wer die besten Chancen aufs Weiße Haus hat. Am besten schneidet im Moment immer der Kandidat ab, der einen Gegenpol zu Bush bildet.
Ein Kommentar von Christian Wernicke

McCain Super Tuesday Republikaner Vorwahl USA dpa
John McCain konnte sich am Super Tuesday durchsetzen, obwohl er gegen viele Grundsätze konservativer Republikaner verstößt.
Foto: dpa
 

Die Nation atmet durch nach der größten Vorwahl-Schlacht ihrer Geschichte. Und doch, trotz all des Aufwands, liefert Amerikas Super Tuesday nur eineinhalb eindeutige Ergebnisse. Allein der Verlierer steht fest. Es ist George W. Bush, der amtierende Präsident. Der Hybris seiner Regentschaft, die das Land stets spaltete in Freund und Feind, ist das Volk überdrüssig. Ab sofort dürfen nur noch Aspiranten hoffen, die allesamt einen Bruch mit Bush verkörpern.

Das zweite, nur halbwegs klare Resultat der längsten Nacht lautet: Mit John McCain, dem Alt-Senator aus Arizona, sind die Republikaner drauf und dran, ihren Anti-Bush zum Kandidaten zu küren. Ob im Streit um CIA-Folter, das Schandlager von Guantanamo oder den von Bush so lange verleugneten Klimawandel - McCain stand auf der anderen, der richtigen Seite.

"Verräter"-Vorwurf schreckt Wähler nicht ab

Sicher, der ehemalige Kriegsheld trommelt für eine stählerne US-Sicherheitspolitik, die im Irak (und auch contra Iran) auf militärische Macht baut. Aber eine dritte Amtszeit des George Bush, wie der Widersacher Mitt Romney ausmalt, wird es mit McCain nicht geben. Längst schmähen ihn konservative Ideologen als Verräter, weil er für Kompromisse mit den Demokraten wirbt. Den Wählern gefällt es.


Völlig offen bleibt hingegen, welche Alternative die Demokraten im November anbieten wollen: Wandel oder Wende? Den radikaleren Bruch mit Bush verkörpert Barack Obama. Mit seinem Ruf nach "Change" hat der eloquente Senator den Ton gesetzt. Das Zauberwort treibt dem Menschenfischer vor allem junge Wähler zu. Der Harvard-Zögling und Ex- Streetworker aus Chicago verfolgt nicht nur andere Ziele, er predigt auch andere Mittel.

Obama fordert seine Anhänger auf, nicht nur ihre Stimme abzugeben - er mobilisiert eine Volksbewegung, die ihn (trotz des jetzigen Rückschlags in Kalifornien) bis ins Oval Office begleiten soll. Was Obama zu tun verspricht, ähnelt sehr den typischen Punkteplänen aller Demokraten. Aber wie er dies tut, das zieht zig-tausendfach Parteilose und sogar prominente Republikaner in den Bann. Der schwarze Mann nimmt den Demokraten die Angst vor der Geschichte ihrer Niederlagen von anno 2000 und 2004 - und macht ganz Amerika Mut zur Zukunft.

Hillary: Zurück in die neunziger Jahre

Genau diese Strahlkraft fehlt Hillary Clinton. Sie verkörpert die Wende - links herum, aber eben auch zurück in die neunziger Jahre. Die demokratische Basis mag ihrem Bill huldigen, aber unabhängige Wähler bekunden zunehmend Unbehagen ob der Aussicht auf ein erneutes Doppelpack im Weißen Haus. Der Ballast von Bills Skandalen schürt unter Demokraten die bange Sorge, Hillary könne zwar die eigene Partei, nicht aber das Volk einen. Dieser Zweifel dürfte Obama in den nächsten Wochen weiter beflügeln.

Aber jenes Misstrauen könnte im November auch John McCain so weit tragen, dass sogar wieder ein Republikaner im Oval Office landet - trotz dann acht Jahren George W. Bush.


(SZ vom 07.02.2008/maru)

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